Dann eben ohne Auto

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Breites Beitragsbild zum Artikel „Dann eben ohne Auto“: Bernie fährt mit dem Fahrrad in Richtung Sonnenuntergang. Links steht ein Opel Zafira, rechts ein gelber eScooter; im Hintergrund sind Bus, Bahn und eine Haltestelle zu sehen. Darüber steht: „Dann eben ohne Auto – Wie wir unsere Mobilität neu organisiert haben“.

Ich wollte mit diesem Artikel eigentlich mal wieder etwas weniger politisch werden.

Ganz gelingt mir das vermutlich nicht, denn sobald es um Auto, Fahrrad, ÖPNV, Deutschlandticket oder Verbrennungsmotoren geht, ist man heutzutage erstaunlich schnell mitten in einer politischen Diskussion.

Aber darum soll es diesmal gar nicht gehen.

Es geht vielmehr um eine ziemlich persönliche Entscheidung:

Wir haben kein eigenes Auto mehr.

Und obwohl diese Entscheidung eigentlich vollkommen logisch war, hat sie mich erstaunlich viel Überwindung gekostet.

Ein Auto, das einmal genau richtig war

Unser Auto war ein Opel Zafira B 1.7 CDTI aus dem Jahr 2012. Ein Siebensitzer.

Und genau deshalb war dieses Auto für uns lange Zeit auch absolut sinnvoll. Wir sind schließlich eine siebenköpfige Familie.

Dass ich den Wagen damals überhaupt kaufen konnte, hatte ich auch der Unterstützung meiner Patenoma zu verdanken. Und natürlich hat uns dieses Auto über die Jahre an viele Orte gebracht.

Wir waren damit im Urlaub, beispielsweise oben in den Bergen bei Tieringen. Wir sind damit bis an die Nordseeküste gefahren, um von dort nach Langeoog überzusetzen.

Da hängen also durchaus Erinnerungen dran.

Aber nicht am Auto selbst.

Ich bin nicht der Typ Mensch, der sich besonders an Gegenstände klammert. Dinge sind für mich in erster Linie Werkzeuge. Sie erfüllen einen Zweck.

Und irgendwann muss man sich dann eben auch die Frage stellen:

Erfüllt dieses Werkzeug seinen Zweck für mich eigentlich noch?

Bei unserem Auto lautete die Antwort irgendwann ziemlich eindeutig: kaum noch.

Eigentlich brauchten wir es schon lange nicht mehr

In den letzten Monaten bin ich vielleicht noch ein- oder zweimal im Monat mit dem Auto gefahren.

Dieses Jahr dürften es insgesamt höchstens rund 2.000 Kilometer gewesen sein.

Mit dem Fahrrad bin ich locker das Doppelte gefahren.

Allein daran kann man schon erkennen, dass das Auto in unserem Alltag längst nicht mehr die Hauptrolle gespielt hat.

Es stand herum.

Und ein Auto wird vom Herumstehen bekanntlich auch nicht besser.

Gleichzeitig wurde es immer teurer.

Unsere Versicherung hatte sich Anfang des Jahres praktisch verdoppelt. Am Ende lagen wir bei rund 107 Euro im Monat allein für die Teilkasko.

Dazu kommen Steuer, Wartung, Reparaturen und natürlich der Kraftstoff. Auch Dieselpreise jenseits der Zwei-Euro-Marke machen ein Auto, das man kaum benutzt, nicht unbedingt attraktiver.

Und irgendwann stand dann auch noch der TÜV an.

Das war für mich letztlich der Punkt, an dem sich innerlich Widerstand regte.

Noch einmal Geld investieren?

In ein Auto, das die meiste Zeit herumsteht?

Für etwas bezahlen, das ich eigentlich gar nicht mehr brauche?

Nein.

Mobilität aufgegeben? Ganz im Gegenteil

Das Interessante ist nämlich:

Wir verzichten eigentlich auf erstaunlich wenig.

Yvi und ich machen selbst größere Einkäufe inzwischen regelmäßig mit dem Fahrrad.

Sie fährt mit einem großen Fahrradanhänger, ich habe mein Lastenrad.

Damit bekommen wir erstaunlich viel transportiert.

Zum Sport komme ich mit dem Rad. Zur Arbeit sowieso.

Das Fahrrad wird auch weiterhin mein primäres Verkehrsmittel bleiben.

Sollte das Rad einmal defekt sein, habe ich meinen eScooter.

Und wenn das Wetter wirklich überhaupt nicht mitspielen möchte, gibt es Bus und Bahn.

Genau dafür haben wir uns unmittelbar nach dem Verkauf des Autos zwei Deutschlandtickets Sozial geholt. Da wir Wohngeld beziehen, können wir diese Variante nutzen.

Und jetzt kommt eine dieser Rechnungen, bei denen man sich irgendwann fragt, warum man eigentlich so lange gezögert hat:

Allein für die bisherige monatliche Versicherungsprämie des Autos können wir praktisch unsere beiden Tickets bezahlen.

Natürlich ersetzt ein Deutschlandticket nicht in jeder Situation ein Auto.

Aber darum geht es auch gar nicht.

Wir haben unsere Mobilität nicht aufgegeben.

Wir organisieren sie nur anders.

Natürlich gibt es Einschränkungen

Ich möchte daraus allerdings auch keine romantische Geschichte darüber machen, wie unglaublich toll das Leben ohne Auto grundsätzlich sei.

Natürlich gibt es Situationen, in denen ein eigenes Auto praktischer ist.

Wenn Yvi und ich beispielsweise abends in die Sauna fahren, werden wir zukünftig wohl stärker auf die Uhr schauen müssen. Sehr spät nachts wird es mit dem ÖPNV irgendwann schwierig.

Das ist eine Einschränkung.

Im Winter werde ich mich auf dem Fahrrad vermutlich auch gelegentlich fragen, warum ich diese hervorragende Idee eigentlich hatte.

Dann ziehe ich mich eben dicker an.

Für mich persönlich überwiegen derzeit trotzdem ganz klar die Vorteile.

Und was die Bequemlichkeit betrifft:

Ganz ehrlich?

Ich empfinde Fahrradfahren inzwischen häufig sogar als entspannter.

Keine Parkplatzsuche. Kein Stau. Keine Gedanken darüber, wo ich das Auto abstelle. Ich steige aufs Rad und fahre los.

Nebenbei bewege ich mich dabei auch noch.

Und gerade das ist für mich momentan ebenfalls ein wichtiger Punkt: Ich muss mich ohnehin deutlich mehr bewegen.

Warum also Geld dafür bezahlen, möglichst wenig Bewegung zu haben?

Und ja, die Umwelt spielt auch eine Rolle

Natürlich gehört auch dieser Punkt dazu.

Ein Verbrennungsmotor ist nun einmal nicht besonders umweltfreundlich.

Wenn ich einen großen Teil meiner Strecken problemlos mit dem Fahrrad, dem eScooter oder öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen kann, dann gibt es für mich wenig Gründe, stattdessen mehr als eine Tonne Auto durch die Gegend zu bewegen.

Ich werde daraus aber keine moralische Verpflichtung für andere Menschen ableiten.

Es gibt Lebenssituationen, Wohnorte, Berufe oder körperliche Voraussetzungen, bei denen ein Auto notwendig oder zumindest enorm hilfreich ist.

Bei uns war das früher ebenfalls so.

Mit fünf Kindern war ein Siebensitzer nicht gerade Luxus.

Unsere Lebenssituation hat sich aber verändert.

Und damit darf sich auch unsere Mobilität verändern.

Dann war er plötzlich weg

Also musste der Zafira gehen.

Ich habe zunächst online die Daten bei einem ziemlich bekannten Autoankäufer eingegeben – Ihr wisst schon, der, für den ein ehemaliger Formel-1-Fahrer Werbung macht.

Dort wurden mir zunächst ein ordentliches Angebot für den Wagen gemacht.

Das war sogar deutlich mehr als andere Angebote und auch mehr als das, was ich nach meinen Vergleichen beispielsweise auf Kleinanzeigen oder mobile.de erwartet hätte.

Also hingefahren.

Dort hat sich ein Mitarbeiter den Wagen ungefähr eine halbe Stunde lang angesehen.

Und ich hatte ehrlich gesagt schon damit gerechnet, dass danach das übliche Spiel beginnt:

„Ja, also online stand zwar Summe X, aber leider haben wir hier noch dieses und jenes gefunden …“

Passierte aber nicht.

Der zuvor genannte Betrag wurde bestätigt.

Abwicklung erledigt.

Auto weg.

Überraschend unspektakulär.

Und trotzdem war es ein komisches Gefühl

Obwohl ich keine emotionale Bindung zu Autos habe, war dieser Moment merkwürdig.

Denn ein eigenes Auto bedeutet eben nicht nur, dass draußen irgendwo ein Fahrzeug steht.

Es bedeutet auch:

Ich könnte jetzt einfach einsteigen.

Ich könnte jederzeit irgendwohin fahren.

Diese Möglichkeit gibt man mit dem Verkauf ein Stück weit ab.

Und wahrscheinlich war genau das der Grund, warum ich trotz aller rationalen Argumente mehrere Monate gebraucht habe, um die Entscheidung tatsächlich zu treffen.

Rational war sie schon lange gefallen.

Emotional offenbar noch nicht ganz.

Jetzt ist das Auto weg.

Und ja, ein kleines bisschen trauere ich dieser Möglichkeit hinterher.

Aber trotzdem fühlt sich die Entscheidung richtig an.

Kein „Nie wieder Auto“

Ich möchte daraus übrigens kein großes „Nie wieder Auto!“ machen.

Dafür bin ich viel zu wenig dogmatisch.

Jetzt probieren wir erst einmal aus, wie unser Alltag ohne eigenes Auto funktioniert.

Vielleicht stellen wir irgendwann fest, dass uns doch etwas Entscheidendes fehlt.

Vielleicht kaufen wir irgendwann einen kleinen Elektroflitzer.

Vielleicht erst, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Oder vielleicht stellen wir irgendwann fest, dass wir überhaupt kein eigenes Auto mehr brauchen.

Keine Ahnung.

Und genau das ist vollkommen in Ordnung.

Denn vielleicht müssen wir Mobilität viel öfter genau so betrachten:

Nicht als Frage danach, ob man Autofahrer, Radfahrer oder ÖPNV-Nutzer ist.

Sondern einfach danach, welches Verkehrsmittel gerade sinnvoll ist.

Für mich ist das meistens das Fahrrad.

Manchmal der eScooter.

Manchmal Bus oder Bahn.

Und vielleicht irgendwann wieder ein Auto.

Nur eben dann, wenn ich tatsächlich eines brauche.

Bis dahin gilt:

Ich habe meine Mobilität nicht aufgegeben. Ich habe nur aufgehört, für eine Form von Mobilität zu bezahlen, die ich kaum noch genutzt habe.

Und jetzt schauen wir einfach mal, wie gut das funktioniert.

Ich bin ziemlich zuversichtlich.

Wir schaffen das.

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