Vor ein paar Tagen habe ich etwas getan, das ich vermutlich viel öfter tun sollte: Ich habe in mich hineingehört.
Nicht im Rahmen einer Meditation oder eines bewusst geplanten Moments der Selbstfindung. Ich saß auch nicht stundenlang da und analysierte jedes einzelne Gefühl. Ich habe mich lediglich gefragt, warum es mir eigentlich so geht, wie es mir gerade geht. Warum ich ständig müde bin, obwohl Müdigkeit allein meinen Zustand nicht richtig beschreibt. Warum ich mich kaum noch länger auf etwas konzentrieren kann. Warum selbst Dinge, die mir normalerweise Freude bereiten, plötzlich Kraft kosten. Und warum sich die Welt manchmal so merkwürdig weit entfernt anfühlt, obwohl ich doch mitten in ihr stehe.
Bis dahin hatte ich darüber kaum bewusst nachgedacht. Ich hatte einfach weitergemacht.
Das ist vermutlich eine meiner ausgeprägtesten Eigenschaften. Wenn etwas erledigt werden muss, erledige ich es. Wenn ein Problem auftaucht, suche ich nach einer Lösung. Wenn jemand mich braucht, versuche ich da zu sein. Nicht, weil ich immer den starken Mann markieren müsste oder keine Schwäche zeigen könnte. Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, zuzugeben, dass es mir nicht gut geht oder dass ich etwas nicht schaffe.
Ich zeige meine Schwäche nur häufig gar nicht erst.
Ich mache einfach weiter.
Vielleicht ist genau das ein Teil meines Problems. Ich überspiele meine Erschöpfung nicht bewusst. Ich übergehe sie. Ich bin längst mit der nächsten Aufgabe beschäftigt, bevor ich überhaupt bemerke, wie wenig Kraft mir noch geblieben ist.
Als ich in den vergangenen Tagen begonnen habe, die letzten Monate gedanklich noch einmal durchzugehen, wurde mir langsam bewusst, dass mein Körper und meine Seele seit Ende 2025 kaum eine echte Gelegenheit bekommen haben, sich zu erholen. Es gab nicht den einen großen Moment, nach dem plötzlich alles anders war. Es waren viele Dinge, die sich übereinandergelegt haben. Und jedes Mal, wenn ich glaubte, dass es nun vielleicht etwas ruhiger werden könnte, kam schon die nächste Belastung.
Ende November erlitt ich nach einem mit Schimmelpilzen verunreinigten Kaffee eine schwere allergische Reaktion, die in einem anaphylaktischen Schock endete. Der unmittelbare Schock ging vorüber, doch die Folgen begleiteten mich noch über Monate. Mein ganzer Körper reagierte mit einer ausgeprägten Urtikaria, also Nesselsucht. Immer wieder entstanden Quaddeln, Flecken und Hautveränderungen.
Das war körperlich unangenehm, doch die sichtbaren Auswirkungen belasteten mich auch seelisch. Ich fühlte mich in meiner eigenen Haut nicht mehr wohl. Schwimmbad, Sport und andere Aktivitäten, bei denen man seinen Körper nicht vollständig verstecken kann, wurden plötzlich zu Dingen, die ich lieber vermied. Wahrscheinlich hätten viele Menschen kaum hingesehen. Trotzdem hatte ich ständig das Gefühl, beobachtet zu werden.
So etwas kostet Kraft, selbst wenn man es im Alltag nicht immer bemerkt.
Als sich meine Haut im Frühjahr endlich langsam beruhigte, hoffte ich, nun wieder etwas Luft zu bekommen. Doch im März begannen die Probleme mit meinen Zähnen. Innerhalb kurzer Zeit brachen drei wurzelbehandelte Zähne bis auf die Wurzeln ab. Kurz darauf brachen auch zwei der hinteren Backenzähne im Oberkiefer in Richtung Rachen ein.
Zunächst hatte ich kaum Schmerzen. Vielleicht war das sogar ein Grund dafür, warum ich noch eine Weile wartete. Hinzu kam meine ausgeprägte Angst vor Zahnärzten, die es mir leicht machte, das Problem zu verdrängen. Doch ab Mitte Mai kamen die Schmerzen mit einer solchen Intensität, dass mir schließlich keine Wahl mehr blieb.
Mitte Juni wurde ich am Kiefer operiert. Die zerstörten Zähne und die verbliebenen Wurzelreste wurden entfernt. Zusätzlich mussten zwei Zysten entfernt werden, von denen eine im Unterkiefer direkt in der Nähe eines Nervs lag. Die Zeit danach war erneut von massiven Schmerzen geprägt.
Zwischen Mai und Anfang Juli nahm ich täglich mindestens 2.000 Milligramm Ibuprofen. Mir ist bewusst, dass das keineswegs harmlos ist. In dieser Zeit ging es mir jedoch weniger um langfristige Vernunft als darum, irgendwie durch den jeweiligen Tag zu kommen.
Schmerzen verändern einen Menschen. Sie sind nicht nur ein körperliches Signal. Wenn sie über Wochen oder Monate bleiben, nehmen sie Raum im Denken ein. Sie erschweren den Schlaf, verkürzen die Geduld und rauben selbst dann Energie, wenn man nach außen noch verhältnismäßig normal wirkt.
Als die Folgen der Operation endlich etwas nachließen, fuhren wir mit unseren beiden jüngsten Kindern ins Wunderland Kalkar. Es sollte ein schöner Familienausflug werden. Ein bisschen Abstand vom Alltag, ein wenig Leichtigkeit und vielleicht sogar eine kleine Gelegenheit, wieder Kraft zu sammeln.
Kurz nach unserer Ankunft wollte ich die Kinder auf einem Luftkissen etwas höher in die Luft befördern. Zweimal ließ ich mich seitlich auf das Kissen fallen, und es funktionierte wunderbar. Beim dritten Versuch wollte ich besonders viel Energie erzeugen. Ich sprang hoch und ließ mich mit einer Art Bodyslam auf das Kissen fallen.
Vorne und hinten an meinem rechten unteren Rippenbogen machte es deutlich hörbar „Knack“.
Ich hatte mir eine Rippe gebrochen.
Natürlich kann man über die Entstehung dieses Unfalls auch lachen. Im Rückblick war die Aktion nicht gerade von besonderer Vernunft geprägt. Gleichzeitig erinnere ich mich sehr genau an meinen ersten Gedanken: Das kann jetzt doch nicht auch noch sein.
Und doch war es so.
Zur körperlichen Belastung kam seit Februar eine zunehmende seelische und berufliche Anspannung. Durch Veränderungen in unserem Arbeitsumfeld entstand eine Atmosphäre, die von Unsicherheit, Druck und ständig wechselnden Anforderungen geprägt ist. Ich möchte und darf an dieser Stelle nicht näher auf die Einzelheiten eingehen. Es genügt zu sagen, dass nicht nur ich, sondern auch viele meiner Kolleginnen und Kollegen seit Monaten unter erheblichem Stress stehen.
Es ist die Art von Stress, die nicht mit dem Ausschalten des Arbeitsrechners endet. Die Gedanken gehen mit nach Hause. Sie liegen mit im Bett. Man wacht nachts verschwitzt auf, obwohl man sich an keinen konkreten Albtraum erinnern kann. Der Körper schläft vielleicht, aber ein Teil des Kopfes bleibt offenbar im Alarmzustand.
Auch dort funktioniere ich weiter. Ich erledige meine Aufgaben, nehme an Gesprächen teil, löse Probleme und versuche, verlässlich zu bleiben. Von außen sieht das vermutlich weitgehend normal aus. Innerlich merke ich jedoch, wie viel mehr Kraft mich Dinge kosten, die früher selbstverständlich waren.
Aufmerksamkeit und Konzentration sind zu einem knappen Gut geworden. Manchmal sitze ich vor einer Aufgabe und weiß eigentlich genau, was zu tun wäre. Trotzdem brauche ich lange, um wirklich hineinzufinden. Ich arbeite, aber häufig fühlt es sich eher nach Funktionieren als nach bewusstem Handeln an.
Auch außerhalb der Arbeit zeigt sich diese Veränderung. Filme schaue ich kaum noch zu Ende. Serien breche ich mitten in der Folge ab, manchmal nicht einmal, weil sie schlecht wären. Bestimmte Situationen werden mir schlicht unangenehm oder zu viel. Unterhaltung, die mich eigentlich entspannen sollte, verlangt plötzlich Aufmerksamkeit und emotionale Energie, die ich in diesem Moment nicht mehr aufbringen kann.
Manchmal möchte ich mich einfach hinlegen und erst wieder aufwachen, wenn alles wieder gut ist.
Damit meine ich nicht, dass ich nicht leben möchte. Ganz im Gegenteil: Ich liebe das Leben. Ich liebe meine Familie, meine Interessen, meine Ideen und die kleinen Dinge, für die ich mich begeistern kann. Ich möchte diesem Leben nicht entkommen.
Ich möchte nur für eine Weile der Dauerbelastung entkommen.
Es gibt weiterhin Momente, in denen ich mit anderen zusammensitze, mich an Gesprächen beteilige und mitlache. Dieses Lachen ist nicht gespielt. Geselligkeit kann mich tatsächlich für kurze Zeit aus meiner Erschöpfung herausholen. Für ein paar Minuten oder vielleicht auch für ein paar Stunden fühlt sich die Welt wieder leichter an. Dann könnte man beinahe glauben, dass alles wieder normal ist.
Doch diese Leichtigkeit hält nicht lange an.
Wenn es wieder ruhig wird, wenn die Gespräche enden und der Alltag zurückkehrt, ist auch die Schwere wieder da. Der schöne Moment hat mir kurzfristig Luft verschafft, aber er hat meinen Akku nicht wirklich aufgeladen.
Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Erschöpfung von außen so schwer zu erkennen ist. Ein Mensch kann lachen, sich unterhalten und sogar einen schönen Abend erleben und trotzdem erschöpft sein. Das eine schließt das andere nicht aus.
Auch zu Hause gibt es viele Situationen, in denen ich weiterhin Verantwortung übernehme. Wenn es zu Hause Spannungen oder Streit gibt, bin ich häufig derjenige, der zu beruhigen, zu vermitteln und die Situation wieder einzufangen versucht. Ich tue das gern. Meine Familie ist nicht die Ursache meiner Erschöpfung, und ich möchte keinesfalls den Eindruck erwecken, dass sie eine Belastung für mich wäre.
Doch auch liebevoll übernommene Verantwortung kostet Kraft.
Beim Schlichten muss man zuhören, unterschiedliche Perspektiven verstehen, Emotionen auffangen und häufig die eigenen Gefühle für einen Moment zurückstellen. Früher war das anstrengend, aber machbar. In letzter Zeit fühlt es sich manchmal so an, als müsste ich mit einem nahezu leeren Akku noch Energie für alle anderen bereitstellen.
Ähnlich ist es mit vielen anderen Dingen, die ich für meine Familie erledige. Der Home-Server musste eingerichtet werden. Die Familie soll ihre Daten, Dienste und ihren gewohnten Komfort nutzen können. Die Kinder sollen ihre Gameserver haben. Ich mache diese Dinge gern und würde mich auch weiterhin dafür entscheiden.
Trotzdem bleibt es Arbeit.
Ich habe sie nicht erledigt, weil ich gerade besonders viel Energie übrig hatte, sondern weil sie erledigt werden musste. Das ist ein Unterschied, den ich selbst lange übersehen habe.
Gleichzeitig fielen ausgerechnet die Momente aus, in denen Yvi und ich unseren eigenen Akku ein wenig hätten aufladen können. Nicht, weil wir es uns anders überlegt hätten, sondern weil Temperaturen von fast 40 Grad unsere Pläne schlicht unmöglich machten.
Das waren keine wochenlangen Luxusurlaube. Es waren kleine Inseln. Kurze Unterbrechungen des Alltags, auf die wir uns gefreut hatten und die uns vielleicht ein wenig Erholung gegeben hätten.
Doch immer wieder kam etwas dazwischen.
Vielleicht ist genau das der Kern meiner Erschöpfung. Nicht nur die Vielzahl der Belastungen, sondern die Tatsache, dass zwischen ihnen kaum Raum für Erholung blieb. Der Rucksack wurde immer schwerer, doch ich hatte keine Gelegenheit, etwas daraus herauszunehmen.
Inzwischen belastet mich nicht nur das, was unmittelbar in meinem eigenen Leben geschieht. Auch die Entwicklungen in der Welt beschäftigen mich stark. Internationale Konflikte, politische Spannungen und ihre möglichen Folgen für Europa gehen mir durch den Kopf. Dazu kommen steigende Preise, gesellschaftliche Unsicherheit und das Gefühl, dass politische Debatten immer aggressiver werden.
Besonders das Erstarken rechter politischer Gruppen und Strömungen macht mir Sorgen. Ich beobachte, wie sich der gesellschaftliche Ton verändert und Positionen normalisiert werden, die ich für gefährlich halte. Dabei geht es mir nicht darum, in diesem Text eine politische Analyse zu schreiben. Es geht um das Gefühl, das diese Entwicklungen in mir auslösen.
Ich lese eine Nachricht und denke automatisch weiter. Was bedeutet das für Deutschland? Was bedeutet es für Europa? Was bedeutet es für die Zukunft meiner Kinder? Wie sicher und frei wird die Welt sein, in der sie einmal als Erwachsene leben?
Die Nachricht ist nach wenigen Minuten gelesen. Die Gedanken bleiben manchmal den ganzen Tag.
So wird selbst die Weltlage zu einer weiteren Belastung, die mich auch dann begleitet, wenn ich eigentlich zur Ruhe kommen möchte.
Am schwersten lässt sich jedoch ein anderes Gefühl beschreiben. Ich habe es schon früher als eine Art Entrückung bezeichnet. Manchmal fühlt sich alles seltsam weit entfernt an. Ich bin anwesend, spreche mit Menschen, arbeite, lache und kümmere mich um meine Familie. Trotzdem entsteht gelegentlich das Gefühl, nicht mehr ganz in der Mitte meines eigenen Lebens zu stehen.
Es ist, als läge zwischen mir und der Welt eine dünne Glasscheibe.
Ich sehe alles. Ich nehme alles wahr. Ich kann reagieren und funktionieren. Doch manche Dinge erreichen mich nicht mehr mit derselben Unmittelbarkeit wie früher.
Ich kann keine genaue medizinische oder psychologische Erklärung dafür liefern. Mein Gefühl sagt mir jedoch, dass diese innere Entfernung mit meiner Erschöpfung zusammenhängt. Vielleicht ist sie eine Art Schutzmechanismus. Vielleicht bleibt meinem Kopf nach all der Anspannung nur noch die Möglichkeit, manche Eindrücke auf Abstand zu halten.
Besonders weh tut mir, dass diese Erschöpfung inzwischen auch meine Kreativität erreicht hat.
Ich habe meinen Blog seit Monaten vernachlässigt. Das allein wäre noch zu verschmerzen. Ein Blog kann warten. Was mich wesentlich stärker trifft, ist, dass mir die Kraft fehlt, meine Geschichten weiterzuschreiben. Mir fehlen nicht unbedingt alle Ideen. Es fehlt eher die Energie, ihnen zu folgen, sie auszuarbeiten und mich in ihnen zu verlieren.
Ich habe immer gern Geschichten erfunden. Ich habe gern weitergedacht, Welten gebaut, Figuren entwickelt und geträumt. In solchen Geschichten steckt ein Teil von mir, der nicht nur funktioniert, sondern spielt, entdeckt und gestaltet.
Dieser Teil ist gerade sehr leise geworden.
Das schmerzt, weil es sich nicht nur nach fehlender Produktivität anfühlt. Es fühlt sich an, als hätte ich vorübergehend den Zugang zu einem Raum in mir verloren, in dem ich sonst gern gewesen bin.
Vielleicht ist genau daran am deutlichsten zu erkennen, dass es nicht bloß normale Müdigkeit ist. Müdigkeit verschwindet nach Schlaf. Erschöpfung bleibt selbst dann bestehen, wenn man theoretisch genug geschlafen hat. Sie nimmt einem nicht unbedingt die Fähigkeit, Dinge zu tun. Sie nimmt einem jedoch die Leichtigkeit, mit der man sie früher getan hat.
Vor Kurzem bin ich bei meiner Suche nach einer Erklärung auf den Begriff „Burn-on“ gestoßen. Ich weiß nicht, ob er meinen Zustand medizinisch korrekt beschreibt. Ich möchte mir selbst keine Diagnose stellen, und mir ist bewusst, dass solche Einordnungen in die Hände von Fachleuten gehören.
Trotzdem hatte ich beim Lesen zum ersten Mal das Gefühl, eine Beschreibung gefunden zu haben, die meinem Erleben nahekommt.
Beim klassischen Bild eines Burnouts denkt man häufig an den vollständigen Zusammenbruch, an einen Punkt, an dem gar nichts mehr geht. Burn-on beschreibt eher einen Zustand, in dem ein Mensch dauerhaft über seine Reserven hinaus weiterfunktioniert. Er bricht nicht sichtbar zusammen. Er macht weiter, erledigt seine Aufgaben und übernimmt Verantwortung, obwohl die innere Energie längst kaum noch ausreicht.
Genau darin erkenne ich mich wieder.
Ich bin nicht der Mensch, der Stärke demonstrieren muss. Ich verstecke meine Schwächen nicht aus Stolz. Ich habe nur sehr lange nicht bemerkt, wie erschöpft ich bereits war, weil ich immer weitergemacht habe.
Wenn etwas getan werden musste, tat ich es.
Wenn jemand mich brauchte, war ich da.
Wenn ein neues Problem entstand, begann ich sofort, es zu lösen.
Es gab keinen dramatischen Moment, in dem ich mich selbst nicht mehr wiedererkannte. Ich habe mich nicht plötzlich fremd verhalten oder eine völlig andere Persönlichkeit entwickelt. Ich habe lediglich irgendwann angehalten, zurückgeblickt und verstanden, wie viel in wenigen Monaten zusammengekommen war.
Vielleicht ist dieser Artikel deshalb kein Hilferuf und auch keine abschließende Erklärung. Er ist der Versuch, meine Gedanken zu sortieren und die Dinge, die ich so lange einzeln betrachtet habe, erstmals als Ganzes zu sehen.
Ich schreibe ihn nicht, weil ich Mitleid möchte. Ich schreibe ihn auch nicht, um zu behaupten, dass mein Leben schwerer sei als das anderer Menschen. Jeder Mensch trägt Belastungen, deren tatsächliches Ausmaß sich von außen nur selten beurteilen lässt.
Ich schreibe, weil vielleicht jemand diese Zeilen liest, der ebenfalls seit Monaten oder Jahren einfach weitermacht.
Jemand, der morgens aufsteht, zur Arbeit geht, Verantwortung übernimmt, mit anderen lacht und nach außen vollkommen normal wirkt. Jemand, der glaubt, er sei einfach nur müde, unkonzentriert oder gerade nicht besonders motiviert.
Vielleicht ist dieser Mensch in Wahrheit erschöpft.
Vielleicht müssen wir nicht erst vollständig zusammenbrechen, bevor wir uns erlauben, genauer hinzusehen. Vielleicht beginnt Veränderung nicht damit, dass plötzlich alles wieder gut wird. Vielleicht beginnt sie in dem Moment, in dem man ehrlich in sich hineinhört und sich eingesteht, dass es so nicht dauerhaft weitergehen kann.
Ich habe noch keine fertige Lösung. Aber ich habe zum ersten Mal verstanden, dass mein Akku nicht deshalb leer ist, weil ich zu schwach bin, sondern weil er seit Monaten kaum eine Gelegenheit hatte, sich wieder aufzuladen.
Vielleicht ist dieses Verständnis bereits der erste Schritt zurück, auch wenn sich die Erkenntnis für mich noch immer seltsam unwirklich anfühlt. Ich kann inzwischen erkennen, was in den vergangenen Monaten mit mir passiert ist, doch wirklich greifen kann ich es noch nicht.






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