Ein Samstag zwischen Kaffee, Kettenöl und kleinen „Aha-Momenten“

Der vergangene Samstag begann für Yvi und mich überraschend früh. Noch bevor die meisten Menschen überhaupt an ihr Frühstück gedacht hatten, standen wir schon in der ADFC Dienststelle. Es war kurz vor acht Uhr, draußen war es kalt und grau, drinnen dafür angenehm warm und ruhig. Die Art von Stille, die man hat, bevor etwas Produktives beginnt.

Wir legten als erstes Malerfilz aus. Meterweise Filz, damit der Boden nicht den Zorn von Kettenfett, Bremsreiniger und kleinen Missgeschicken zu spüren bekommt. Danach richteten wir die Tische aus. Werkzeug hier, Flickzeug dort, ein Tisch für das Moderationsmaterial, ein anderer als zentrale Arbeitsfläche. Die Tafel wischten wir ab, verteilten Karten, Stifte und Flyer. Der Raum verwandelte sich Stück für Stück in eine kleine Lernwerkstatt für Fahrradmenschen.

Und als alles stand, setzten wir uns hin und frühstückten noch eben schnell. Ein stiller Moment vor dem Ansturm.

Kurz vor zehn traf dann Ulrich ein, gemeinsam mit drei der angemeldeten Teilnehmenden. Drei weitere hatten sich zwar angemeldet, waren aber nicht erschienen, ohne sich abzumelden. Schade, aber mittlerweile leider auch nichts Ungewöhnliches.

Ulrich begrüßte die Runde freundlich im Namen des Vorstands und übergab dann an mich. Ich startete mit einer klassischen Vorstellungsrunde. Wer seid ihr, warum seid ihr hier, was wollt ihr lernen. Und ganz ehrlich, die Antworten waren sehr menschlich. Die Angst davor, etwas falsch zu machen. Die Unsicherheit, wenn es an Schrauben, Bremsen oder Schläuche geht. Der Wunsch, sich im Alltag selbst helfen zu können, statt bei jeder Kleinigkeit eine Werkstatt aufsuchen zu müssen. Genau dafür mache ich diese Kurse so gern.

Wir widmeten uns dann drei großen Themen, die jede Radfahrerin und jeder Radfahrer irgendwann im Leben benötigen wird.
Zuerst das Reifenflicken. Nicht nur das Flicken selbst, sondern der gesamte Ablauf. Rad ausbauen, Ventil kennen, Reifendruck einordnen, Größenlehre verstehen. Die ersten skeptischen Blicke waren schnell weg. Stattdessen sah ich konzentrierte Gesichter, die Stück für Stück sicherer wurden.

Danach ging es an die Scheibenbremsen. Beläge wechseln, Verschleiß erkennen, sauber zentrieren. Für viele der Moment, in dem sie realisieren, wie viel Technik im eigenen Fahrrad steckt und dass man trotzdem alles lernen kann, wenn man sich traut.

Zum Abschluss stellte ich noch die Schaltung eines Teilnehmers ein. Ein paar kleine Klicks, etwas Feingefühl und das Ding lief am Ende butterweich. Das Leuchten in seinem Gesicht war Gold wert.

Während der Übungen entstanden auch die Fotos, die den Kurs noch besser einfangen. Menschen mit Fokus, Hände, die sich vorsichtig durch Speichen und Schrauben arbeiten, Räder auf dem Kopf, Montageständer, die ihren Dienst tun, und ein Raum, der sich vom Küchenbereich zum Fahrradlabor verwandelt hatte. Ich mag diese Mischung. Sie wirkt lebendig und authentisch.

Das Feedback am Ende war durchweg positiv. Es wurde sogar ausdrücklich gewünscht, den Kurs im Frühjahr zu erweitern, um die Räder zum Saisonstart fit zu machen. Das nehme ich gern auf, denn Spaß gemacht hat es wirklich.

Als kleines Giveaway gab es am Ende für jede Person eine Dose Flickzeug. Auf meine Kosten, weil ich einfach finde, dass so etwas dazu gehört. Ein paar Dosen liegen jetzt auch dauerhaft in der Dienststelle für kommende Kurse.

Nachdem alle gegangen waren, räumten Yvi und ich noch auf. Werkzeuge zurück, Tische wischen, Filz zusammenrollen. Die typische Nachkursruhe. Dieses Gefühl, wenn man weiß, dass es sich gelohnt hat.

Und ja, das hat es.

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