Wenn Dummheit zur Gefahr wird

Es gibt Abende, die brennen sich ein. Nicht, weil etwas Schönes passiert ist – sondern weil man noch Stunden später merkt, wie knapp man eben nicht im Krankenhaus gelandet ist.
Letzten Mittwoch war so ein Abend.

Ich war gerade erst wieder mit meinem Rad unterwegs. Endlich.
Denn ich hatte dieses Rad erst am Vortag von Meinhövel abgeholt – nach fünf Wochen Reparaturzeit. Fünf. Obwohl die Ersatzteile seit drei Wochen da lagen und die Genehmigung der Versicherung auch längst vorlag.
Und als ich am Freitag davor mal kurz ein Werkzeug aus meinem Rad entnommen habe, lag es dort wie ein Museumsstück: unberührt, unangetastet, kein Finger daran gewesen.
Serviceweltmeisterschaft 2025, Platz 1: Nicht.

Aber gut. Ich war wieder auf zwei Rädern unterwegs, Heimfahrt vom Büro. Es war nass, dunkel, die Brille beschlagen, alles wie immer im Herbst. Ich rollte die Ausfahrt der Erzbahntrasse runter, etwa fünfundzwanzig Stundenkilometer. Normal. Routine.
Bis ich es sah.

Ein langes blaues Etwas.
Quer über dem Weg.
Unmarkiert. Ungesichert.
Ich bremste reflexartig.
Im letzten Moment.
Erfolreich.

Was bergab (gefühlt 12% Gefälle) schon eine Meisterleistung war, das bremsende Vorderrad stabil zu halten und mich nicht direkt auf die Fresse zu legen.

Was ich da beinahe überfahren hätte, war kein Rohrstück. Kein „Och, das liegt da halt“.
Sondern eine blau leuchtende Todesfalle, gut dreißig bis fünfzig Meter lang.

Die Bilder zeigen es deutlich:

Dieses Teil schlängelte sich durch den kompletten Bereich – unter Verkehrsschildern durch, entlang des Bordsteins, über den Radweg hinweg, einmal quer durch die komplette Ausfahrt.
Wie eine Python aus Hartplastik, die nur darauf wartet, dass der nächste Radfahrende sie zu spät sieht.

Und bei Dunkelheit, nassem Asphalt und verregneter Brille sieht man sowas erst dann, wenn es zu spät ist.

Ich war voll auf Adrenalin, hab sofort den Notruf gewählt.
Das Gespräch fing chaotisch an – ich wusste ja im ersten Moment nicht mal genau, WIE der Ort heißt. Mein Gehirn war noch im „Ich hätte fast gerade mein Genick gebrochen“-Modus.

Dann kam die legendäre Frage des Abends:

„Können Sie das Rohr nicht eben zurückschieben?“

Ich stand da, tropfnass im Regen, halb blind, Voll auf Adrenalin nach Beinahe-Crash, und dachte:

Das kann nicht sein Ernst.

Ich: „Äh… das Ding ist dreißig bis fünfzig Meter lang.“
Kurze Pause.
Er: „Okay, ich verständige das Tiefbauamt umgehend.“

Gut, dass wir drüber gesprochen haben.

Und jetzt, nach etwas Abstand, kommt der Teil, der mir wichtig ist – und bei dem ich keinerlei Diplomatie aufbringen werde:

Wer so etwas absichtlich auf einen Radweg legt, ist kein Scherzkeks, kein Troll, kein Spaßvogel – sondern ein lebensgefährlicher Vollidiot.

Ich kann viel verstehen.
Ich kann auch fünf Wochen Reparaturzeit irgendwie wegstecken.
Aber absichtliche Gefährdung anderer Menschen?
Da hört bei mir jede Toleranz abrupt auf.

Und ja:
Wenn ich jemals jemanden bei so etwas erwische, werde ich nicht ruhig bleiben.
Ob zuerst mein Mundwerk, mein Körper oder zuerst die Polizei aktiv wird, weiß ich nicht.
Aber sicher ist:
Wer Menschenleben riskiert, bekommt von mir garantiert kein freundliches Gespräch.

Leichtsinn kann man erklären.
Unvermögen kann man korrigieren.
Aber bewusste Gefährdung anderer ist blanke Dummheit hoch zehn – und daran gibt es nichts zu relativieren.

Dass es an diesem Abend gut ausgegangen ist, lag an einem einzigen Faktor:

Glück.

Und Glück sollte niemals die Grundlage sein, um einen Weg sicher zu überqueren, sei es nun zu Fuß, mit dem Auto oder Rad!

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