Warum unsere Jugend am Arsch ist! (Und wir damit auch!)

Heute widmen wir uns mal einem ganz anderen Thema: der Erziehung von Kindern.

Ich muss das einfach mal loswerden. Denn was ich so mitbekomme, wenn ich durch die Stadt gehe, mit dem Rad unterwegs bin oder einach mal was aus den Nachrichten mitbekomme: Viele Kinder sind nicht erzogen worden! Sie machen, was sie wollen. Und deswegen gibt es immer wieder so Schocknachrichten, wie dass 13-jährige einen Finger abgeschnitten haben oder anderes…

Das kann echt nicht mehr angehen… Macht mich einfach fassungslos. Und ein Großteil liegt an der Erziehung…

Ich behaupte nicht, dass ich ein Erziehungsexperte bin. Wirklich nicht. Aber Yvi und ich haben fünf Kinder, die jeweils zu den Besten in der Schule gehören. Und wir bekommen von Lehrkräften, anderen Eltern und Fremden immer wieder zu hören, wie gut erzogen, respektvoll und höflich sie sind. Ganz ohne Ironie.

Irgendwas scheinen wir also nicht völlig falsch gemacht zu haben. Und ich denke, ich weiß ziemlich genau, was den Unterschied macht.

1. Kinder wie Menschen behandeln

Klingt banal, ist aber die Grundlage von allem: Mit Kindern respektvoll umgehen. So, wie man es sich selbst auch wünscht.

Zuhören. Ausreden lassen. Ernst nehmen, wenn sie wütend, traurig oder frustriert sind. Nicht vor anderen bloßstellen. Keine Sprüche nach dem Motto: Stell Dich nicht so an.

Allein daran scheitern schon gefühlt sehr viele Erwachsene. Und wenn die Großen keinen Respekt vorleben, lernen die Kleinen ihn auch nicht.

2. Fair bleiben

Kinder haben ein sehr feines Radar für Gerechtigkeit. Wenn heute ein Augenrollen egal ist und morgen gibt es dafür Zimmer Arrest, nur weil Mama oder Papa einen miesen Tag hat, lernen sie vor allem eins: Willkür.

Und was lernt man aus Willkür. Höchstens, dass man sich mit Machtspielchen über andere erheben kann. Sicher nicht, wie man Konflikte fair löst.

3. Liebevoll bleiben

Ja, auch mir geht in sehr, sehr seltenen Momenten der Gaul durch. Ja, ich habe meine Kinder schon angeschrien. Das passiert. Ich bin Mensch, kein Erziehungsroboter.

Aber erstens passiert das wirklich selten. Und zweitens nie mit Absicht zu verletzen. Keine Sätze, die sie klein machen, keine Worte, die Narben hinterlassen sollen.

Wenn ich laut werde, dann meist genau ein Mal, in einer Situation, in der alles andere schon durch ist. Der Effekt ist dann eher, dass mein Gegenüber irritiert ist und wir danach wieder auf einer Ebene sind, auf der wir arbeiten können. Und wenn ich merke, ich bin drüber gewesen, kann ich mich auch bei meinen Kindern entschuldigen. Das gehört für mich genauso zur Erziehung wie klare Regeln.

4. Versprechen halten und konsequent bleiben

Ganz unangenehmer Punkt, aber er ist wichtig.

Wenn wir etwas androhen, dann meinen wir es auch so. Gerade bei Handy, Notebook und Co habe ich das mehr als einmal bewiesen. Statt Aufgaben zu erledigen, wurde gezockt oder gescrollt. Trotz klarer Abmachung.

Und ja, dann sind bei uns schon Smartphones und Notebooks geflogen. Echte Geräte, echte Schäden. Der finanzielle Verlust war mir in diesen Momenten weniger wichtig als der Lerneffekt.

Denn wenn Kinder merken, dass Drohungen grundsätzlich folgenlos sind, lernen sie genau das. Sie lernen, dass sie einem auf der Nase herumtanzen können. Wenn sie aber erleben, dass Worte Gewicht haben, verstehen sie auch, warum Grenzen ernst gemeint sind.

Ich sage nicht, dass jede Mutter und jeder Vater jetzt Elektronik zertrümmern soll. Ich sage nur: Konsequenz hat ihren Preis. Und ich war bereit, ihn in diesen Momenten zu zahlen.

5. Keine Gewalt – NIEMALS!

Für mich ist das die absolute Grundlinie: Niemals Gewalt. Weder körperlich noch psychisch.

Schläge, Klapse, Ohrfeigen, am Arm zerren, fest drücken, all das ist keine Erziehung. Es ist Demütigung. Kinder lernen dadurch nicht, was richtig ist. Sie lernen nur, dass der Stärkere gewinnt und dass man Angst vor Fehlern haben muss.

Aber auch psychische Gewalt richtet Schaden an. Sätze wie „Du bist eine Enttäuschung“, „Aus Dir wird nie etwas“ oder „Ich rede nicht mehr mit Dir“ sind Wunden, die man nicht sieht, die aber sehr lange bleiben. Schweigen als Strafe, Liebesentzug, bloßstellen vor anderen, ständiges Kleinmachen, das alles ist keine Konsequenz, sondern Gewalt mit Worten.

Konsequenzen richten sich immer an das Verhalten. Gewalt greift den Menschen an. Und genau das darf bei Kindern nicht passieren. Kinder brauchen Klarheit, Halt und Grenzen, aber sie müssen dabei immer spüren, dass ihr Wert als Mensch nie zur Debatte steht.

Auch wir Eltern haben schlechte Tage, sind müde, genervt oder überfordert. Entscheidend ist, dass wir unsere Wut nicht auf den Köpfen unserer Kinder abladen. Wenn es eskaliert ist, gehört dazu, sich zu entschuldigen und Verantwortung zu übernehmen. Denn am Ende bleibt für mich dieser Satz der Maßstab: Kinder sollten Grenzen, aber keine Gewalt kennen.

Nicht ich, sondern wir – Und das an einem Strang!

Ich bin sicher kein perfekter Dad. Und dieser Weg ist nicht mein Werk allein. Der Weg, den Yvi und ich eingeschlagen haben, ist unser gemeinsamer. Wir diskutieren, zweifeln, machen Fehler, entschuldigen uns, probieren es erneut. Gerade als Eltern ist das miteinander Reden in Bezug auf die Erziehung enorm wichtig, damit die Kids auch schnell mitbekommen, dass man einander nicht ausspielen kann…

Aber offensichtlich ist dieser Weg nicht komplett verkehrt. Unsere Kinder sind keine Engel, sie sind Menschen. Mit Ecken, Kanten und eigenen Köpfen. Und genau so wollen wir sie auch haben. Und genau so liebe ich meine Kids.

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