Verlieren. Und dabei doch gewinnen.

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Zwei Absagen. Zack, zack.


Und ja: Das kratzt. Nicht, weil ich glaube, dass Wettbewerbe mein Wertmaßstab wären. Sondern weil da immer dieses kleine innere Kind sitzt, das kurz hofft, jemand würde sagen: „Genau das. Genau so.“

Aber dann kam da noch dieser dritte Text.

Von über siebenhundert Einsendungen hat es einer von meinen auf die Longlist geschafft. Und ich merke, wie sich mein Blick sofort verschiebt: Weg vom „nicht gewonnen“ hin zu „doch gesehen“. Das ist kein Trostpreis. Das ist ein Zeichen von Leben. Da draußen haben Menschen sortiert, gestrichen, diskutiert und irgendwo in dieser Masse blieb mein Text hängen.

Und weißt Du was? Das reicht mir als erster kleiner Sieg.

Denn ich schreibe diese Geschichten nicht, um Jury Nummer 17 zu gefallen. Ich schreibe sie, weil ich erzählen will. Weil da Bilder im Kopf sind, die raus müssen. Weil Figuren anklopfen, manchmal höflich, manchmal wie ein betrunkener Zwerg an der Tür eines Ratsgebäudes.

Also habe ich eine der beiden abgelehnten Geschichten genommen und sie nicht begraben, sondern aufbereitet. Fertig gemacht. Glattgezogen. Und dann habe ich sie vertont.

Mit Elevenlabs.

Ich habe dort meine Stimme trainiert, mit mehr als zwei Stunden Text. Das Ergebnis ist herrlich schräg: Ich lese die Geschichte vor, ohne vorzulesen. Ich sitze nicht da und stolpere über Kommas. Ich bin einfach drin. Als würde ich sie Dir am Tisch erzählen, mit diesem Blick, der sagt: „Warte ab, gleich wird’s unangenehm.“

Und plötzlich ist aus einer Absage etwas geworden, das ich selbst gern konsumiere.

Das ist für mich der eigentliche Gewinn:
Nicht die Urkunde. Nicht das Ranking. Sondern dass die Geschichte ein neues Medium bekommen hat und damit eine neue Chance, irgendwo anzukommen.

Vielleicht ist das sowieso die faire Wahrheit über dieses ganze „Verlieren“:
Man verliert nur dann wirklich, wenn man aufhört, dem eigenen Zeug eine Bühne zu geben.

Ich mache weiter.
Nicht trotz der Absagen. Sondern auch wegen ihnen. Sie sind keine Mauer, sie sind höchstens ein schlecht gelauntes Schild am Wegrand.

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