Project Hail Mary im Kino: Vor diesem Film hatte ich wirklich Angst

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Es gibt Filme, auf die freut man sich. Und dann gibt es Filme, vor denen man fast schon Angst hat.

„Der Astronaut: Project Hail Mary“ gehörte für mich ganz klar zur zweiten Kategorie.

Ja, wirklich. Angst. Bammel. Schiss. Nicht, weil ich dachte, der Film würde schlecht werden. Sondern weil meine Erwartungen so verdammt hoch waren, dass ein gutes Ergebnis eigentlich kaum noch gereicht hätte.

Doch fangen wir vorne an.

Vor einigen Jahren habe ich im Heimkino „Der Marsianer“ gesehen. Der Film gefiel mir so gut, dass ich mir danach direkt den Roman geholt habe. Und ich habe ihn verschlungen. Andy Weir hat diese besondere Art, Science Fiction nicht einfach nur groß und spektakulär wirken zu lassen, sondern logisch, technisch greifbar und dabei trotzdem herrlich witzig. Mit trockenem Humor, Ironie und genau der richtigen Portion Sarkasmus.

Der Roman hat den Film für mich damals sogar noch übertroffen. Mehr Tiefe, mehr Zwischentöne, mehr Momente zum Lachen. Aber eben auch mehr Stellen, die unter die Haut gehen. Danach habe ich mir das Hörbuch mehrfach gegeben, grandios gesprochen von Richard Barenberg, und es jedes Mal wieder gefeiert.

Dann kam „Artemis“. Nicht ganz so stark wie „Der Marsianer“, auch nicht ganz so lustig, aber trotzdem ein richtig gutes Buch. Eines, das ich ebenfalls mehr als einmal gelesen und gehört habe.

Und dann kam „Project Hail Mary“.

Für mich ist das bis heute Andy Weirs bester Roman. Punkt.

Dieses Buch hat mich damals regelrecht überfahren. Es war klug, spannend, emotional, technisch verspielt und gleichzeitig so menschlich, dass es mich an mehreren Stellen komplett abgeholt hat. Als ich dann erfuhr, dass genau dieser Roman verfilmt werden soll, war ich gleichzeitig begeistert und nervös. Denn ganz ehrlich: Diese Geschichte so auf die Leinwand zu bringen, dass sie nicht ihre Seele verliert, ist alles andere als trivial.

Gestern Abend sind meine Gattin und ich dann hier in Gelsenkirchen ins Kino gegangen und haben ihn uns endlich angesehen.

Und was soll ich sagen?

Ich hatte anfangs tatsächlich ein Problem mit dem Einstieg. Der Film beginnt für mein Gefühl etwas zu hastig. Gerade die Einführung des Protagonisten wirkte auf mich zunächst zu schnell, fast so, als wolle der Film möglichst rasch durch die ersten Türen, um endlich ins eigentliche Herzstück zu kommen. In dem Moment hat mich das kurz irritiert.

Rückblickend verstehe ich diese Entscheidung aber. Der Film läuft immerhin 156 Minuten und kam in Deutschland am 19. März 2026 ins Kino. Irgendwo muss man bei einer Romanverfilmung dieses Kalibers eben verdichten, sonst sitzt Du am Ende bei einer Regiefassung, für die Du besser ein Wochenende Urlaub einreichst.

Aber nach diesem Einstieg hat mich der Film bekommen. Und zwar richtig.

Ohne zu spoilern: Diese Verfilmung ist erstaunlich nah an der Vorlage, ohne sich sklavisch an ihr festzuklammern. Sie trifft vor allem das, worauf es wirklich ankommt. Den Ton. Die Dynamik. Die Mischung aus Wissenschaft, Überforderung, Improvisation, Verzweiflung und Hoffnung. Und vor allem trifft sie die emotionale Wucht der Geschichte.

Gerade das Zusammenspiel mit dem wichtigsten Gegenpart des Protagonisten ist für mich das Herz dieses Films. Genau dort entscheidet sich, ob „Project Hail Mary“ nur gutes Science Fiction Kino ist oder etwas, das hängen bleibt. Und hier liefert der Film. Nicht irgendwie. Sondern richtig.

Was mich besonders gefreut hat: Der Film versucht nicht, aus der Vorlage irgendein glattgebügeltes Standard Spektakel zu machen. Er bleibt eigen. Er bleibt emotional. Und er traut sich, seine großen Momente nicht nur über Bilder, sondern auch über Beziehung, Timing und Gefühl zu transportieren.

Darüber hinaus finde ich, das Ryan Gosling seine bisher beste schauspielerische Leistung hatte. (Zugegeben, ich habe nicht alle seine Filme bisher gesehen.) und auch die Animation des Konterparts („Rocky“) ist verdammt gut und reißt einen mit. Ich finde lediglich, dass Sandra Hüller etwaszu „steif“ in ihrer Rolle wirkt.

Ja, man merkt an manchen Stellen, dass ein Roman mehr Raum hat. Das ist unvermeidlich. Bücher dürfen atmen. Filme müssen funktionieren. Das ist ein Unterschied, den man nicht wegdiskutieren kann. Aber „Der Astronaut: Project Hail Mary“ schafft etwas, woran viele andere Adaptionen scheitern: Er wirkt nicht wie eine zusammengestutzte Nacherzählung. Er wirkt wie eine echte, ehrliche Übersetzung in ein anderes Medium.
Und genau davor hatte ich Angst.

Dass aus einem meiner absoluten Lieblingsromane ein optisch hübscher, aber innerlich leerer Film wird. Ein Film, der die Handlung nacherzählt, aber das Gefühl nicht versteht.

Diese Angst war am Ende unbegründet.

„Der Astronaut: Project Hail Mary“ ist für mich kein perfekter Film. Der Einstieg ist mir etwas zu eilig geraten. Aber das, was danach kommt, ist großes Science Fiction Kino mit Herz, Verstand und erstaunlich viel Seele. Von dem Bildspektakel, dass einen dort im All übermannt, will ich weiter träumen.

Und ganz ehrlich: Mehr kann man sich von so einer Verfilmung kaum wünschen.

Mein Fazit:
Wenn Du den Roman liebst, geh rein.
Wenn Du gute Science Fiction liebst, geh rein.
Wenn Du einfach einen Film sehen willst, der spannend, klug, emotional und stellenweise verdammt schön ist, dann geh erst recht rein.

Ich hatte Bammel vor diesem Film.

Und ich bin verdammt froh, dass er mich eines Besseren belehrt hat.

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