Es ist Ende Dezember. Die Tage sind kurz, der Himmel hat seit Wochen dieses typische Ruhrgebietsgrau, das sich anfühlt wie ein schlecht gelaunter Screensaver und irgendwo zwischen Plätzchenkrümeln, Kalenderchaos und dem ganz normalen Familienwahnsinn steht man dann da und denkt sich: So. Das war also wieder ein Jahr.
Und ja, über 2025 könnte ich jetzt einen Roman schreiben. Kein dünnes Taschenbuch, eher so ein ausgewachsener Backstein, der beim Umblättern schon Rückenschmerzen verursacht. Ich lasse das aber bewusst. Nicht, weil es nichts zu erzählen gäbe. Sondern weil ich keine Lust habe, das Jahr auf Schmerz, Stress, Ärger oder diesen beruflichen Vorfallden man besser nicht beim Namen nennt, oder die weltweite sich zuspitzende politische Lage zu reduzieren. Der war da. Er war groß. Er war laut. Und er hat Spuren hinterlassen.
Aber ich weigere mich, ihn zum Schlusswort zu machen.
Denn wenn ich eines gelernt habe, dann das: Am Ende zählt nicht, was Dich aus der Bahn geworfen hat, sondern ob Du wieder aufstehst und Dir den Lenker zurückholst.
Und genau darum geht es heute. Nicht um ein “Ach war alles schlimm” und auch nicht um dieses toxische “Neues Jahr, neues Ich” Gelaber. Eher um etwas viel Einfacheres: Ich will 2026 bewusst gestalten. Nicht perfekt. Nicht Instagram schön. Aber echt. Und mit Plan.
2026 wird das Jahr, in dem ich wieder in meinen Körper einziehe
Ich sag es ganz offen: Mein Körper hat in den letzten Jahren einiges geschluckt. Stress. Schlafmangel. Schmerzen. Zu viel Sitzen. Zu wenig Bewegung. Zu viele schnelle Lösungen und zu wenig echte Routine. Und das ist nicht mal ein Vorwurf an mich selbst. Das ist eher eine nüchterne Bestandsaufnahme.
2026 will ich das drehen.
Ab Anfang des Jahres räume ich mir Zeit ein, wieder regelmäßig zum Sport und zum Schwimmen zu gehen. Mindestens fünfmal die Woche insgesamt. Und ja, ich weiß, wie das klingt. Groß. Ambitioniert. Fast so, als hätte ich gerade ein motivierendes YouTube Video gesehen und würde jetzt gleich noch einen Selleriesaft trinken.
Aber nein. Das ist nicht der Plan.
Der Plan ist simpel: Bewegung wird wieder ein fester Bestandteil meines Lebens. Nicht als Strafe. Nicht als Pflicht. Sondern als etwas, das mich trägt. Ich will wieder spüren, dass mein Körper nicht nur ein Transportmittel ist, das mich irgendwie durch den Alltag schleppt.
Schwimmen ist dabei für mich ein Schlüssel. Weil es nicht nur Sport ist, sondern auch Ruhe. Du bist im Wasser, die Welt wird leiser, alles wird langsamer. Und für ein paar Bahnen existierst Du einfach. Ohne Mails. Ohne Tickets. Ohne “Papa, wo ist mein…” irgendwas. Nur Du, Wasser, Atem, Rhythmus.
Und ich will massiv Kilos abnehmen.
Nicht für einen Spiegel. Nicht für irgendein Schönheitsideal. Sondern weil ich wieder leichter werden will, im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Weniger Gewicht auf den Gelenken, weniger Trägheit, weniger dieses Gefühl, dass man sich selbst im Weg steht. Ich will wieder in Kleidung passen, ohne jedes Mal mit mir zu diskutieren. Ich will Treppen steigen und nicht nach der zweiten Etage so tun, als müsste ich kurz eine existenzielle Entscheidung treffen.
Das wird nicht über Nacht passieren. Aber es wird passieren, wenn ich es ernst meine. Und ich meine es ernst.
Mehr ADFC: Weil ich es vermisst habe, Teil von etwas zu sein
2025 war viel. Und wenn ein Jahr viel ist, dann fallen immer Dinge runter, die man eigentlich liebt. Bei mir war das auch der ADFC.
Ich will 2026 wieder mehr aktiv sein. Mehr mitmachen. Mehr unterstützen. Mehr dieses Gefühl zurück, dass man nicht nur über Verkehr, Sicherheit, Infrastruktur schimpft, sondern auch wirklich etwas beiträgt. Das Ruhrgebiet ist nicht gerade bekannt dafür, dass Fahrradfahren hier eine Art Wellnessurlaub ist. Eher ein Abenteuerspielplatz mit Schlaglöchern.
Und genau deshalb braucht es Leute, die dranbleiben. Leute, die nicht nur meckern, sondern anpacken. Und ja, ich habe da Bock drauf. Ich will wieder sichtbarer sein, aktiver, verlässlicher. Nicht jeden Tag, aber regelmäßig. So, dass es sich nach “Ich gehöre dazu” anfühlt und nicht nach “Ach ja, da war mal was”.
5000 Kilometer: Ein Ziel, das nach Freiheit riecht
Jetzt kommt der Teil, wo ich selbst kurz grinsen muss.
5000 Kilometer will ich 2026 mit dem Rad fahren.
Und bevor jemand fragt: Nein, nicht in einer Woche. Ich will das übers Jahr verteilt. Ich will Touren. Ich will Alltag. Ich will Kilometer sammeln wie andere Leute Bonuspunkte.
5000 Kilometer sind nicht nur eine Zahl. Das ist mein Statement.
Das ist “Ich bewege mich wieder”. Das ist “Ich nehme mir Raum”. Das ist “Ich bin draußen”. Das ist “Ich bin nicht nur Funktionieren im Innenraum, sondern Leben im Außen”.
Und das Schöne am Radfahren ist: Es ist Therapie, ohne dass es Therapie heißt. Du fährst los, und irgendwann sortiert sich der Kopf. Manchmal brauchst Du dafür zehn Minuten, manchmal zwanzig Kilometer. Aber es passiert. Immer.
Ich will 2026 wieder häufiger dieses Gefühl haben, wenn Du nach einer Fahrt absteigst und kurz stehenbleibst, weil Dein Körper noch in Bewegung ist, obwohl Du es nicht mehr bist. Und Du atmest durch und denkst: Ja. Genau das.
Vorausgesetzt natürlich, es geht nicht allzu viel zu Bruch… denn nach den 5 Wochen, die mein Monster vor kurzem in der Werkstatt war, ist es auch grad wieder dort, weil der Riemen gerissen ist – wo ich mich noch immer frage, wie das geschehen konnte.
Schreiben: Mindestens fünf Ausschreibungen und der Mut, sichtbar zu werden
Wenn ich etwas dieses Jahr wieder stärker gespürt habe, dann das hier: Schreiben ist nicht nur Hobby. Schreiben ist nicht nur “mal eben”. Schreiben ist ein Teil von mir. Und ich habe viel zu lange so getan, als wäre es nur ein nettes Extra, das man macht, wenn mal zufällig Zeit übrig ist.
Bullshit.
Zeit ist nie übrig. Zeit nimmt man sich.
Und deshalb will ich 2026 an mindestens fünf Ausschreibungen zu Geschichten teilnehmen. Mindestens.
Nicht, weil ich Preise sammeln will wie andere Leute Kühlschrankmagnete. Sondern weil Ausschreibungen für mich ein Rahmen sind. Ein Ziel. Ein “mach jetzt”. Ein Ende, auf das Du hinarbeitest. Und ein Anfang, weil Du Dich traust, Texte rauszugeben.
Ich habe keine Lust mehr, Geschichten nur in meinem Kopf zu parken oder auf irgendwelchen Festplatten versauern zu lassen. Wenn ich schreibe, dann will ich auch, dass es gelesen werden kann. Und ja, das macht angreifbar. Das macht verletzlich. Aber ganz ehrlich: Wer sich nie traut, verliert auch nie. Und verliert gleichzeitig alles, was möglich gewesen wäre.
2026 will ich mir selbst beweisen, dass ich das kann. Nicht perfekt. Nicht fehlerfrei. Aber mutig.
Familie: Das Wichtigste steht nicht im Kalender, aber es entscheidet alles
Und dann ist da der Punkt, der eigentlich über allem steht.
Ich will viel Zeit mit Yvi und den Kindern verbringen.
Das klingt banal. Das klingt nach Standard. Das klingt wie der letzte Absatz in jedem Neujahrspost überhaupt. Aber bei mir ist es nicht Deko, sondern Kern.
Weil Familie nicht “nebenbei” passiert. Familie ist das, was übrig bleibt, wenn Du alles andere runterziehst. Familie ist der Grund, warum Du überhaupt wieder aufstehst, wenn Dir irgendwas das Bein wegzieht. Familie ist Chaos, Liebe, Lautstärke, Diskussionen, Lachen, Tränen, Umarmungen, Augenrollen, Küchengebrüll und diese ganz kleinen Momente, die Du erst später als “Wert” erkennst.
Ich will 2026 bewusster da sein. Nicht nur körperlich anwesend, während mein Kopf schon beim nächsten Problem hängt. Sondern wirklich da.
Mehr Unternehmungen. Mehr gemeinsame Zeit. Mehr echtes “Wir”. Mehr Abende, die nicht aus Versehen passieren, sondern die man sich nimmt.
Und auch mehr Zeit mit Yvi. Nicht nur als Eltern im Schichtbetrieb, sondern als Paar. Als Team. Als zwei Menschen, die nicht nur funktionieren, sondern auch leben. Da ist Luft nach oben. Und ich will, dass wir die uns nehmen.
Und jetzt?
Jetzt beginnt 2026 nicht mit einem Feuerwerk, das alles reinwäscht. Das wäre zu einfach.
Es beginnt mit Entscheidungen. Mit Routinen. Mit kleinen Schritten, die sich irgendwann nach Selbstverständlichkeit anfühlen. Es beginnt mit einem Plan, der nicht geschniegelt ist, sondern ehrlich.
Sport und Schwimmen mindestens fünfmal die Woche.
Massiv Kilos verlieren.
Mehr ADFC.
5000 Kilometer auf dem Rad.
Mindestens fünf Ausschreibungen.
Und Familie, Familie, Familie.
Das ist mein Ausblick.
Und wenn ich ganz ehrlich bin: Ich glaube, 2026 wird nicht “leicht”. Aber es wird besser. Weil ich nicht mehr nur reagiere, sondern wieder gestalte. Weil ich wieder Dinge tue, die mir guttun. Und weil ich Bock habe, zu sehen, wer ich bin, wenn ich mich selbst wieder ernst nehme.
Also dann.
Auf ein neues Jahr.
Nicht perfekt.
Aber bewusst.

