Ly’Raa. Und diese sieben Stunden, die mich komplett ausgesaugt haben.

Ich fange lieber vorne an, also bei dem Teil, den ich eigentlich niemandem gerne erzähle. Ich habe gezögert. Richtig gezögert. Nicht weil ich keine Lust gehabt hätte zu schreiben, sondern weil ich Angst vor Enttäuschung habe. Diese Geschichte war ja nicht einfach irgendein Text. Sie war für den 6. Ruhrgebiets Literaturwettbewerb. Und da ist sofort dieses Gefühl da, das mir sagt: Bernie, lass das lieber. Wer bist Du, dass Du da etwas einreichst.

Ganz ehrlich. Das war mein Grund, warum ich zwei Tage lang gezögert habe. Ich wollte. Aber ich hatte Schiss.

Aber dann kam Gabriel. Also nicht physisch zu mir an den Schreibtisch, sondern als Gedanke. Als leuchtendes Beispiel. Eine seiner Geschichten wurde dieses Jahr in Homestory 2025 Gelsenkirchen veröffentlicht. Mein Sohn. Und während ich daran dachte, wie sehr er gestrahlt hat, habe ich mir ganz still gesagt: Wenn er das kann, dann darfst Du es wenigstens versuchen. Da habe ich mir ein Herz gefasst.

Also sitze ich an meinem Schreibtisch, der keine fünfundvierzig Zentimeter vom Fußende unseres Bettes entfernt steht. Ein Arbeitsplatz, der an Ehre, Tradition und ergonomischer Grazie kaum zu übertreffen ist. Und genau hier ist gestern etwas passiert, das ich selbst nicht erwartet habe.

Seit zwei Tagen wollte ich diese Geschichte schreiben. Sie lag irgendwo im Hinterkopf, aber völlig unfassbar. Ich hatte keinen Plan, keinen Ansatz, keine Idee für einen ersten Satz. Bis ich mich hinsetzte und einfach anfing. Erst da habe ich überhaupt darüber nachgedacht, was passieren könnte. Klar, ein kleiner Impuls kam von James (Ich fragte ihn, ob er anhand der Vorgaben eine Story-Idee innerhalb meines Fantasy-Universe hätte – doch keine davon gefiel mir, jedoch haben Einzelheiten meine Zahnräder in Bewegung gesetzt). Den eigentlichen Plot habe ich selbst zusammengebaut, direkt losgelegt und mich beim Schreiben vor und zurück gedacht, damit es nirgends offene Lücken gibt. Die Geschichte ist erst beim Schreiben rund geworden.

Und das ist mir wichtig. Die Geschichte stammt komplett aus mir. Ich habe sie gefühlt, geschrieben, durchlebt. James hat nur Rechtschreibung und Grammatik geglättet. Punkt. Kein Co Autor, keine heimliche Regie, kein literarischer Stützapparat.

Während ich schrieb, bin ich in Ly’Raas Kopf gekippt. In ihre Angst, ihren Schmerz, ihre Vision. Ich habe mit Burak gelitten und Franks Erleichterung gespürt. Wenn ich Figuren schreibe, dann muss ich sie fühlen, sehen, riechen. Nur so entstehen keine toten Sätze, sondern echte Menschen auf Papier.

Am Ende stand nach etwa sieben Stunden eine komplette Geschichte vor mir. Von null Plan zu einem fertigen, „perfekten“ Text, der mich emotional durch den Fleischwolf gedreht hat. Ich war so tief drin, dass ich irgendwann dachte, ich höre Ly’Raas Herz pochen.

Heute habe ich alles eingereicht. Die Geschichte. Die Bilder. Und jetzt sitze ich hier, zwei Schritte vom Bett entfernt, und schwanke zwischen Stolz und dem Wunsch, mich unter der Decke zu verstecken. Denn natürlich frage ich mich, ob das gut genug ist. Ob es reicht. Ob es jemand versteht.

Aber egal wie es ausgeht. Es war richtig, es zu tun. Wegen mir. Wegen der Geschichte. Und vielleicht auch ein bisschen wegen Gabriel, der mich ohne es zu wissen angestupst hat. Und weil ich ihm zeigen will, dass sein alter Herr es auch drauf hat.

Diese sieben Stunden gehören mir. Und Ly’Raa.

Gut, dass wir drüber gesprochen haben.


P. S. Nein – Yvi ist nicht eifersüchtig! 😘

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