{"id":365,"date":"2026-10-21T03:00:00","date_gmt":"2026-10-21T03:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/einfachbernie.de\/?p=365"},"modified":"2026-10-20T07:59:58","modified_gmt":"2026-10-20T07:59:58","slug":"wie-medien-populisten-fuer-klicks-und-reichweite-stark-machen-und-damit-der-gesellschaft-schaden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/einfachbernie.de\/?p=365","title":{"rendered":"Wie Medien Populisten f\u00fcr Klicks und Reichweite stark machen \u2013 und damit der Gesellschaft schaden"},"content":{"rendered":"\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><em>Entschuldigt bitte die L\u00e4nge dieses Artikels. Aber dieses Thema liegt mir wirklich sehr am Herzen. Denn es geht um weit mehr als rei\u00dferische Schlagzeilen, Klickzahlen oder Einschaltquoten. Es geht darum, wie Medien unsere Wahrnehmung beeinflussen, politische Meinungen mitpr\u00e4gen und damit Verantwortung f\u00fcr die Entwicklung unserer Gesellschaft tragen. Deshalb m\u00f6chte ich meine Gedanken etwas ausf\u00fchrlicher erkl\u00e4ren und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen untermauern.<\/em><\/pre>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/einfachbernie.de\/?p=368\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/einfachbernie.de\/?p=368\">Hier geht es zur k\u00fcrzeren Version \u27a1\ufe0f<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich lese ziemlich viele Nachrichten. Und damit meine ich nicht, dass ich jeden Morgen eine Zeitung aufschlage und mich anschlie\u00dfend f\u00fcr ausreichend informiert halte. Ich bewege mich zwischen Nachrichtenseiten, regionalen Portalen, \u00f6ffentlich-rechtlichen Angeboten, konservativen, liberalen und linken Medien hin und her. Auch Nachrichtensender, politische Magazine und Fernsehdiskussionen geh\u00f6ren f\u00fcr mich dazu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz bewusst. Denn wenn ich mir zu einem Thema eine Meinung bilden m\u00f6chte, interessiert mich nicht nur, <strong>was<\/strong> passiert ist. Mich interessiert auch, wie unterschiedlich dar\u00fcber berichtet wird, welche Aspekte hervorgehoben werden und welche vielleicht gar nicht erst vorkommen. Ich m\u00f6chte mir ein m\u00f6glichst umfassendes Bild machen, statt einfach die Sichtweise eines einzelnen Mediums zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei f\u00e4llt mir immer wieder etwas auf: Manche Nachrichten scheinen weniger daf\u00fcr aufbereitet zu sein, mich zu informieren, als daf\u00fcr, eine m\u00f6glichst starke Reaktion in mir auszul\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Emp\u00f6rung funktioniert dabei besonders gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da steht dann nicht einfach, was ein Politiker gesagt hat. Die Aussage wird zum \u201eEklat\u201c, zum \u201eHammer\u201c, zum \u201eAngriff\u201c oder zum \u201eIrrsinn\u201c. Aus einer einzelnen \u00c4u\u00dferung wird eine gro\u00dfe politische Auseinandersetzung. Eine Provokation, die m\u00f6glicherweise schon nach wenigen Stunden vergessen w\u00e4re, bekommt Artikel, Kommentar, Gegenkommentar, Reaktionen anderer Politiker und irgendwann noch eine Meldung dar\u00fcber, dass inzwischen alle \u00fcber diese Meldung diskutieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und nat\u00fcrlich klicke ich m\u00f6glicherweise darauf. Oder bleibe beim Durchschalten auf einem Nachrichtensender h\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du vielleicht auch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit hat die Nachricht zun\u00e4chst einmal funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber was passiert eigentlich danach? Und welchen Einfluss hat diese Art der Berichterstattung langfristig auf unsere Gesellschaft?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Journalismus ist auch ein Gesch\u00e4ft<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor jetzt der Eindruck entsteht, ich wolle \u201eden Medien\u201c irgendeine gro\u00dfe politische Verschw\u00f6rung unterstellen: Nein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Journalismus kostet Geld. Redakteure m\u00fcssen bezahlt werden, Recherche kostet Zeit, Korrespondenten ben\u00f6tigen Ressourcen, und auch ein Nachrichtenportal ohne gedruckte Zeitung muss seine laufenden Kosten decken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit habe ich \u00fcberhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Unabh\u00e4ngiger, sorgf\u00e4ltiger Journalismus ist eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr eine funktionierende Demokratie und darf selbstverst\u00e4ndlich wirtschaftlich erfolgreich sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Problematisch wird es aus meiner Sicht dort, wo Aufmerksamkeit zunehmend selbst zur W\u00e4hrung wird und die Frage nach Reichweite m\u00f6glicherweise st\u00e4rker \u00fcber redaktionelle Entscheidungen bestimmt als die tats\u00e4chliche gesellschaftliche Bedeutung einer Nachricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Internet l\u00e4sst sich Aufmerksamkeit hervorragend messen: Seitenaufrufe, Klickraten, Verweildauer, Abonnements, Shares, Kommentare und andere Interaktionen. Redaktionen k\u00f6nnen ziemlich genau erkennen, welche \u00dcberschrift funktioniert und welche Geschichte besonders viele Menschen erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass diese Informationen journalistische Entscheidungen beeinflussen k\u00f6nnen, ist wissenschaftlich untersucht worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Studie von Welbers und seinen Kollegen aus dem Jahr 2016 betrachtete f\u00fcnf niederl\u00e4ndische Zeitungen \u00fcber sechs Monate. Die Forscher stellten fest, dass die Themen besonders h\u00e4ufig aufgerufener Artikel mit h\u00f6herer Wahrscheinlichkeit anschlie\u00dfend erneut aufgegriffen wurden. Bemerkenswert war dabei, dass die befragten Journalisten eine Nachrichtenauswahl nach Klickzahlen teilweise selbst als Widerspruch zu professionellen journalistischen Normen betrachteten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem war der Zusammenhang messbar. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1464884915595474\">Welbers et al., 2016<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet nicht, dass ein Redakteur morgens vor seinem Rechner sitzt und dar\u00fcber nachdenkt, wie er m\u00f6glichst effektiv der politischen Kultur schaden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viel wahrscheinlicher ist etwas wesentlich Banaleres:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dieser Artikel l\u00e4uft gut. Also machen wir mehr davon.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau darin liegt m\u00f6glicherweise ein viel gr\u00f6\u00dferes Problem.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nicht nur Klicks \u2013 auch Sendezeit schafft Aufmerksamkeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings w\u00e4re es falsch, dieses Problem ausschlie\u00dflich bei Onlineportalen, Zeitungen und Magazinen zu suchen. Auch das Fernsehen geh\u00f6rt dazu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachrichtensender, politische Magazine, Talkshows und klassische Nachrichtensendungen entscheiden t\u00e4glich dar\u00fcber, welche Themen und Personen wie viel Aufmerksamkeit erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei unterscheiden sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erheblich. Private Sender sind unter anderem auf Einschaltquoten und Werbeeinnahmen angewiesen. \u00d6ffentlich-rechtliche Sender haben dagegen einen gesetzlichen Informationsauftrag und eine andere Finanzierungsstruktur. Ihnen einfach dieselben wirtschaftlichen Motive zu unterstellen, w\u00e4re falsch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der m\u00f6gliche Verst\u00e4rkungseffekt bleibt davon jedoch unber\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn eine provokante Aussage zun\u00e4chst in den Nachrichten gezeigt, anschlie\u00dfend von Politikern kommentiert, in einer Talkshow diskutiert und sp\u00e4ter mehrfach in weiteren Sendungen aufgegriffen wird, erh\u00e4lt sie eine Pr\u00e4senz, die weit \u00fcber ihre urspr\u00fcngliche Bedeutung hinausgehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommt die Verkn\u00fcpfung mit den sozialen Netzwerken. Ausschnitte aus Fernsehsendungen landen anschlie\u00dfend auf YouTube, Instagram, TikTok oder anderen Plattformen. Dort werden sie erneut kommentiert, geteilt und diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus wenigen Sekunden Provokation k\u00f6nnen so Stunden \u00f6ffentlicher Auseinandersetzung entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei greifen verschiedene Mechanismen ineinander: Die Fernsehredaktion entscheidet, was gesendet wird. Die Online-Redaktion w\u00e4hlt m\u00f6glicherweise einen besonders zugespitzten Ausschnitt aus. Und anschlie\u00dfend bestimmen die Reaktionen des Publikums mit dar\u00fcber, wie weit sich dieser Clip verbreitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht also nicht ausschlie\u00dflich um Klicks, sondern ganz grunds\u00e4tzlich um <strong>Sendezeit, Reichweite, \u00f6ffentliche Pr\u00e4senz und die Bedeutung, die Medien bestimmten Aussagen und Personen dadurch verleihen k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Emp\u00f6rung verkauft sich<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass negative \u00dcberschriften besonders viel Aufmerksamkeit erzeugen k\u00f6nnen, ist nicht nur eine Behauptung von Menschen, die sich \u00fcber Clickbait \u00e4rgern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine 2023 in <em>Nature Human Behaviour<\/em> ver\u00f6ffentlichte Untersuchung analysierte mehr als 105.000 Varianten von \u00dcberschriften auf dem Nachrichtenportal Upworthy. Diese wurden insgesamt \u00fcber 370 Millionen Mal eingeblendet und rund 5,7 Millionen Mal angeklickt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei handelte es sich um randomisierte Tests unterschiedlicher \u00dcberschriften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ergebnis: Bei einer durchschnittlich langen \u00dcberschrift erh\u00f6hte jedes zus\u00e4tzliche negative Wort die Klickrate um etwa <strong>2,3 Prozent<\/strong>. Positive W\u00f6rter wirkten tendenziell in die entgegengesetzte Richtung. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41562-023-01538-4\">Robertson et al., 2023<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich l\u00e4sst sich dieses Ergebnis nicht uneingeschr\u00e4nkt auf s\u00e4mtliche Medien \u00fcbertragen. Es zeigt aber, dass die emotionale Gestaltung einer \u00dcberschrift das Verhalten des Publikums messbar beeinflussen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr reichweitenstarke Portale k\u00f6nnen bereits wenige Prozent zus\u00e4tzliche Klicks wirtschaftlich interessant sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Aufmerksamkeit besitzt im Mediengesch\u00e4ft tats\u00e4chlich einen hohen Stellenwert. Im Reuters-Institute-Bericht zu Medien- und Technologietrends 2024 erkl\u00e4rten 54 Prozent der befragten Medienverantwortlichen, ihre Unternehmen konzentrierten sich haupts\u00e4chlich darauf, Aufmerksamkeit zu maximieren. Nur 37 Prozent sahen den Schwerpunkt eher in einem respektvollen Umgang mit der Zeit des Publikums. (<a href=\"https:\/\/reutersinstitute.politics.ox.ac.uk\/journalism-media-and-technology-trends-and-predictions-2024\">Reuters Institute, 2024<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das beweist keine gezielte politische Manipulation. Es zeigt aber, wie bedeutend Aufmerksamkeit als wirtschaftlicher Faktor geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und damit stellt sich f\u00fcr mich eine unangenehme Frage:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was setzt sich langfristig in einem System durch, wenn negative, emotionale und konfliktorientierte Inhalte regelm\u00e4\u00dfig besser funktionieren als n\u00fcchterne Berichterstattung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn Nachrichten k\u00fcnstlich am Leben gehalten werden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum besch\u00e4ftigen sich manche Medien eigentlich tagelang, manchmal sogar wochenlang mit demselben Thema? Warum wird aus einer einzigen politischen Auseinandersetzung eine ganze Serie von Artikeln, Kommentaren, Reaktionen und neuen Schlagzeilen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Vermutung ist ziemlich einfach: <strong>Weil es sich lohnt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solange ein Thema Menschen zum Klicken, Zuschauen, Teilen oder Kommentieren bringt, erzeugt es Reichweite. Und Reichweite besitzt f\u00fcr Medienunternehmen wirtschaftlichen Wert. Sie kann Werbeeinnahmen, Abonnements und die \u00f6ffentliche Bedeutung einer Medienmarke beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei f\u00e4llt mir immer wieder etwas auf: Manche Themen scheinen regelrecht k\u00fcnstlich am Leben gehalten zu werden \u2013 weit \u00fcber ihre eigentliche Brisanz und nat\u00fcrliche Nachrichtenlebensdauer hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da wird eine Aussage, \u00fcber die bereits ausf\u00fchrlich berichtet wurde, am n\u00e4chsten Tag erneut aufgegriffen. Dann \u00e4u\u00dfert sich ein weiterer Politiker dazu. Es folgen Einordnungen, Gegenreaktionen und schlie\u00dflich noch ein Artikel dar\u00fcber, wie kontrovers die Angelegenheit inzwischen diskutiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich frage mich dabei ernsthaft: <strong>Wird hier noch \u00fcber ein relevantes Ereignis berichtet, oder wird das Ereignis durch die Berichterstattung \u00fcberhaupt erst weiter am Leben gehalten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessanterweise besch\u00e4ftigt sich die Kommunikationswissenschaft schon lange mit dieser Dynamik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits 2005 beschrieb Peter Vasterman sogenannte <em>Medienhypes<\/em>: selbstverst\u00e4rkende Nachrichtenwellen, bei denen ein Ereignis durch die Berichterstattung weitere Reaktionen hervorruft, die wiederum selbst zu Nachrichten werden. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/0267323105058254\">Vasterman, 2005<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2014 untersuchte die Kommunikationswissenschaftlerin Annie Waldherr mithilfe eines Simulationsmodells, wie journalistisches Verhalten zur Entstehung und Fortsetzung solcher Nachrichtenwellen beitragen kann. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/jcom.12117\">Waldherr, 2014<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders aufschlussreich finde ich allerdings eine Untersuchung von Ananya Sen und Pinar Yildirim aus dem Jahr 2015.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wissenschaftlerinnen analysierten anhand einer gro\u00dfen englischsprachigen Tageszeitung in Indien, wie Klickzahlen die redaktionelle Entscheidung beeinflussen, eine Geschichte weiterzuverfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihr Ergebnis: Eine Erh\u00f6hung der anf\u00e4nglichen Klickzahlen um eine Standardabweichung ging in ihrem Untersuchungsmodell mit ungef\u00e4hr <strong>drei zus\u00e4tzlichen Folgeartikeln und drei weiteren Tagen Berichterstattung<\/strong> einher. (<a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2619440\">Sen &amp; Yildirim, 2015<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das finde ich bemerkenswert. Denn es zeigt, dass die Lebensdauer einer Nachricht nicht ausschlie\u00dflich von ihrer gesellschaftlichen Bedeutung abh\u00e4ngen muss. Auch der Erfolg vorheriger Artikel kann dazu beitragen, dass eine Geschichte l\u00e4nger weiterverfolgt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich ist nicht jeder weitere Artikel \u00fcberfl\u00fcssig oder manipulativ. Neue Erkenntnisse, politische Konsequenzen und zus\u00e4tzliche Hintergr\u00fcnde k\u00f6nnen eine l\u00e4ngere Berichterstattung vollkommen rechtfertigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und selbst wirtschaftlich lohnt sich Skandalisierung nicht automatisch. Eine Untersuchung von Meiseberg und ihren Kollegen \u00fcber einen deutschen politischen Skandal fand beispielsweise keinen entsprechenden positiven Effekt auf die untersuchten wirtschaftlichen Kennzahlen des betreffenden Boulevardmediums. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/08997764.2015.1131700\">Meiseberg et al., 2016<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der wirtschaftliche Anreiz ist also nicht mit einem tats\u00e4chlich erzielten Gewinn gleichzusetzen. Und dass Redaktionen absichtlich Themen verl\u00e4ngern, um mehr Geld zu verdienen, ist damit ebenfalls nicht bewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch bleibt ein wissenschaftlich gut nachvollziehbarer Mechanismus:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aufmerksamkeit kann zus\u00e4tzliche Berichterstattung erzeugen. Und diese zus\u00e4tzliche Berichterstattung schafft wiederum neue Aufmerksamkeit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Thema wird aber nicht automatisch wichtiger, nur weil sich immer wieder neue Schlagzeilen daraus machen lassen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Populisten m\u00fcssen Journalisten gar nicht \u00fcberzeugen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und nun treffen wir auf politische Akteure, die mit dieser Aufmerksamkeitslogik besonders gut umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Populistische Kommunikation vereinfacht h\u00e4ufig komplexe Zusammenh\u00e4nge, personalisiert Probleme, benennt Schuldige und konstruiert einen Gegensatz zwischen \u201euns\u201c und \u201eden anderen\u201c. Sie emotionalisiert, erzeugt Konflikte und provoziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit meine ich Populismus zun\u00e4chst als politische Kommunikationsweise, nicht als Synonym f\u00fcr Extremismus. Beides kann zusammenkommen, ist aber nicht dasselbe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr einen Politiker, der m\u00f6glichst viel Aufmerksamkeit m\u00f6chte, ergibt sich daraus eine interessante Strategie: Er muss Journalisten gar nicht davon \u00fcberzeugen, dass seine Aussage richtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es kann vollkommen gen\u00fcgen, etwas zu sagen, das Journalisten f\u00fcr so falsch, emp\u00f6rend oder grenz\u00fcberschreitend halten, dass sie dar\u00fcber berichten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Medium ver\u00f6ffentlicht dann beispielsweise einen Artikel, um eine Aussage zu kritisieren \u2013 und verbreitet damit gleichzeitig genau diese Aussage an m\u00f6glicherweise hunderttausende Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es folgen Kommentare, politische Gegenreaktionen, weitere Artikel und vielleicht eine Talkshow. Am Ende hat eine kurze Provokation mehrere Nachrichtentage bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein Medium kann einen Populisten verurteilen und ihn gleichzeitig gr\u00f6\u00dfer machen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Deutschland gibt es dazu eine ausgesprochen passende Untersuchung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marcus Maurer und seine Kollegen analysierten 17 gezielte Provokationen von AfD-Politikern zwischen 2015 und 2018. Die Berichterstattung war \u00fcberwiegend skandalisierend. Die Medien stellten sich also keineswegs auf die Seite der entsprechenden Aussagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem f\u00fchrten die Provokationen zu zus\u00e4tzlicher Berichterstattung und beeinflussten die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit f\u00fcr die AfD. Besonders Angriffe auf Migranten erzeugten umfangreiche Medienreaktionen. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/19401612211072692\">Maurer et al., 2023<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet, dass <strong>die Wirkung journalistischer Berichterstattung nicht zwingend mit ihrer beabsichtigten Aussage \u00fcbereinstimmen muss<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Journalist m\u00f6chte vielleicht vermitteln:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eSchaut euch an, wie emp\u00f6rend diese Aussage ist.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Publikum kann aber gleichzeitig der Eindruck entstehen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eDieser Politiker ist \u00fcberall. Offenbar ist er wahnsinnig wichtig.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau das kann einem politischen Akteur bereits helfen, ohne dass die berichtenden Journalisten seine Position unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Meinungsmache braucht keine Falschmeldungen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier kommen zwei Konzepte der Kommunikationswissenschaft ins Spiel, die ich f\u00fcr besonders wichtig halte: <em>Agenda Setting<\/em> und <em>Framing<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maxwell McCombs und Donald Shaw beschrieben bereits 1972, wie die Auswahl und Gewichtung von Nachrichten beeinflussen k\u00f6nnen, welche Themen Menschen als besonders wichtig wahrnehmen. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1086\/267990\">McCombs &amp; Shaw, 1972<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Robert Entman besch\u00e4ftigte sich 1993 mit dem sogenannten Framing: der Frage, wie Medien bestimmte Aspekte eines Sachverhalts hervorheben und dadurch seine Interpretation pr\u00e4gen k\u00f6nnen. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/j.1460-2466.1993.tb01304.x\">Entman, 1993<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vereinfacht gesagt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Medien beeinflussen nicht nur, wor\u00fcber wir nachdenken. Sie k\u00f6nnen auch mitpr\u00e4gen, wie wir dar\u00fcber denken.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei halte ich einen Unterschied f\u00fcr ganz besonders wichtig: Wenn wir \u00fcber Meinungsbeeinflussung sprechen, denken viele Menschen sofort an L\u00fcgen, erfundene Geschichten oder bewusst verbreitete Falschinformationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das greift viel zu kurz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Auch die Auswahl, Gewichtung, Wiederholung und emotionale Darstellung vollkommen wahrer Informationen k\u00f6nnen beeinflussen, welches Bild sich Menschen von Politikern, Parteien und gesellschaftlichen Entwicklungen machen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Redaktion muss daf\u00fcr \u00fcberhaupt keine falschen Tatsachen verbreiten. Sie kann sich auf echte Ereignisse st\u00fctzen und trotzdem durch die Auswahl der berichteten Aspekte, die verwendeten \u00dcberschriften und die H\u00e4ufigkeit ihrer Wiederholung ein bestimmtes Gesamtbild erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich ist nicht jede journalistische Auswahl automatisch manipulativ. Journalismus muss ausw\u00e4hlen, gewichten und einordnen. Kein Nachrichtenmedium kann s\u00e4mtliche Ereignisse einer Gesellschaft gleich ausf\u00fchrlich behandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber gerade deshalb besitzt diese Auswahl so gro\u00dfe Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer entscheidet, welche politischen Fehler zur gro\u00dfen Schlagzeile werden, welche Erfolge kaum Beachtung finden und welche Streitigkeiten \u00fcber Tage hinweg die Nachrichten dominieren, beeinflusst m\u00f6glicherweise auch unsere Wahrnehmung der handelnden Personen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Berechtigte Kritik ist notwendiger Journalismus. Eine verzerrende Gesamtwirkung kann jedoch auch dann entstehen, wenn jeder einzelne Bericht auf wahren Tatsachen beruht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn aus Kritik ein dauerhaft negatives Bild wird<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis hierhin ging es haupts\u00e4chlich darum, wie Medien bestimmten Politikern und Parteien durch Aufmerksamkeit zus\u00e4tzliche Bedeutung verschaffen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber es gibt noch einen zweiten Mechanismus: Medien k\u00f6nnen politische Akteure m\u00f6glicherweise auch indirekt st\u00e4rken, indem sie andere dauerhaft negativ darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstverst\u00e4ndlich m\u00fcssen Journalisten politische Fehler aufdecken. Regierungen m\u00fcssen sich Kritik gefallen lassen, Kanzler ebenso wie Minister, Abgeordnete und andere Entscheidungstr\u00e4ger. Die kritische Kontrolle der Macht geh\u00f6rt schlie\u00dflich zu den wichtigsten Aufgaben unabh\u00e4ngiger Medien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber was passiert, wenn die Berichterstattung \u00fcber eine Regierung \u00fcber Wochen und Monate haupts\u00e4chlich von Schlagzeilen \u00fcber Chaos, Streit, Machtk\u00e4mpfe, Blamagen und Versagen gepr\u00e4gt ist?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder einzelne Artikel kann vollkommen berechtigt sein. Vielleicht hat tats\u00e4chlich jemand eine falsche Entscheidung getroffen, vielleicht gibt es wirklich Streit zwischen Koalitionspartnern, und vielleicht wurde ein Vorhaben tats\u00e4chlich schlecht umgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aber welches Gesamtbild entsteht aus der Summe all dieser Berichte?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus \u201eDiese Entscheidung war falsch\u201c wird in der Wahrnehmung mancher Menschen m\u00f6glicherweise \u201eDiese Regierung macht alles falsch\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus \u201eDie Koalitionspartner sind sich bei diesem Thema uneinig\u201c wird \u201eDiese Koalition ist grunds\u00e4tzlich handlungsunf\u00e4hig\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und aus \u201eDieser Politiker hat einen Fehler gemacht\u201c wird irgendwann \u201eDieser Politiker ist unf\u00e4hig\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass negative politische Berichterstattung mit der \u00f6ffentlichen Bewertung von Politikern zusammenh\u00e4ngt, ist ebenfalls untersucht worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Annelien Van Remoortere und Rens Vliegenthart analysierten rund 1,24 Millionen belgische Zeitungsartikel zwischen 2003 und 2019 und verglichen sie mit den Beliebtheitswerten von Politikern. Negative Berichterstattung hing dabei mit sinkender Beliebtheit zusammen, w\u00e4hrend positive Berichterstattung keinen vergleichbaren signifikanten Zusammenhang zeigte. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/13540688231187964\">Van Remoortere &amp; Vliegenthart, 2024<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Untersuchung von Gunnar Thesen und seinen Kollegen analysierte rund 770.000 Nachrichtenartikel aus vier europ\u00e4ischen L\u00e4ndern sowie die Entwicklung der Unterst\u00fctzung f\u00fcr Regierungsparteien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forscher stellten fest, dass Regierungsparteien h\u00e4ufiger in negativen Nachrichtenzusammenh\u00e4ngen erscheinen als Oppositionsparteien. Je st\u00e4rker diese negative Berichterstattung ausfiel, desto geringer war tendenziell die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Regierenden. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/1475-6765.12670\">Thesen et al., 2024<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist allerdings: Solche Zusammenh\u00e4nge beweisen nicht, dass Journalisten bewusst Regierungen schw\u00e4chen. Sie k\u00f6nnen auch tats\u00e4chliche Probleme widerspiegeln, f\u00fcr die Regierungen verantwortlich sind. Und sie beweisen schon gar nicht, dass eine bestimmte Oppositionspartei automatisch von negativen Nachrichten profitiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch entsteht hier m\u00f6glicherweise ein indirekter Vorteil f\u00fcr politische Alternativen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer st\u00e4ndig h\u00f6rt, wie schlecht die einen ihre Arbeit machen, kann anfangen, nach anderen L\u00f6sungen und Parteien zu suchen. Das ist zun\u00e4chst vollkommen legitim.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Problematisch wird es, wenn diese Alternativen nicht derselben kritischen Betrachtung unterzogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Oppositionspartei kann von Unzufriedenheit profitieren, ohne selbst beweisen zu m\u00fcssen, dass sie tats\u00e4chlich bessere L\u00f6sungen besitzt. Sie kann Stabilit\u00e4t, Entschlossenheit oder einfache Antworten versprechen, ohne diese Versprechen bereits in Regierungsverantwortung einl\u00f6sen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So k\u00f6nnte bei manchen Menschen irgendwann der Gedanke entstehen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eWenn die einen offenbar nichts auf die Reihe bekommen, dann machen es die anderen vielleicht besser.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob diese anderen tats\u00e4chlich besser w\u00e4ren, ist damit \u00fcberhaupt nicht gesagt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und nat\u00fcrlich muss daraus kein Parteiwechsel entstehen. Manche Menschen werden unentschlossen, andere verlieren das Interesse an Politik oder das Vertrauen in politische Institutionen insgesamt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende Frage bleibt deshalb, ob Redaktionen ausreichend zwischen berechtigter Kritik und permanenter Dramatisierung unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kritischer Journalismus kontrolliert Macht. Eine dauerhaft dramatisierende Berichterstattung kann dagegen das Vertrauen in Politik besch\u00e4digen \u2013 auch dann, wenn die einzelnen Meldungen auf wahren Ereignissen beruhen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn Aufmerksamkeit zur Normalit\u00e4t wird<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Effekt medialer Berichterstattung wird h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt: Die Wirkung beschr\u00e4nkt sich nicht darauf, ob Menschen einer Aussage zustimmen oder sie ablehnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchmal kann bereits die wiederholte Pr\u00e4senz einer Position ver\u00e4ndern, f\u00fcr wie verbreitet Menschen diese halten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine 2025 im <em>British Journal of Political Science<\/em> ver\u00f6ffentlichte Untersuchung von Diane Bolet und Florian Foos verwendete reale Interviews mit extrem rechten Aktivisten aus Gro\u00dfbritannien und Australien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unkritische Interviews erh\u00f6hten sowohl die Zustimmung zu extremen Aussagen als auch die Einsch\u00e4tzung, dass solche Ansichten in der Bev\u00f6lkerung weiter verbreitet seien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kritische Interviews schw\u00e4chten die \u00dcberzeugungswirkung deutlich ab. Sie konnten jedoch nicht vollst\u00e4ndig verhindern, dass Teilnehmer anschlie\u00dfend von einer gr\u00f6\u00dferen Verbreitung dieser Ansichten ausgingen. (<a href=\"https:\/\/www.cambridge.org\/core\/journals\/british-journal-of-political-science\/article\/media-platforming-and-the-normalisation-of-extreme-right-views\/747E769DA6CE4365E0151B55FDF4DEFA\">Bolet &amp; Foos, 2025<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das finde ich beinahe noch interessanter als den direkten \u00dcberzeugungseffekt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn politische Normalisierung muss nicht bedeuten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eIch finde diese Position jetzt richtig.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie kann auch bedeuten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eOffenbar denken sehr viele Menschen so.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit kann sich bereits die Wahrnehmung dessen verschieben, was gesellschaftlich normal, verbreitet oder politisch relevant ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Aussage, die zun\u00e4chst als extreme Randposition wahrgenommen wird, erh\u00e4lt durch st\u00e4ndige \u00f6ffentliche Diskussion m\u00f6glicherweise einen festen Platz im politischen Alltag. Menschen widersprechen, Experten diskutieren, Politiker werden nach ihrer Haltung gefragt und Nachrichtensendungen widmen ihr immer neue Beitr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann lautet die Diskussion vielleicht nicht mehr:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eWarum reden wir \u00fcberhaupt dar\u00fcber?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sondern:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eWelche Position haben Sie dazu?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet nicht, dass jede kritische Berichterstattung extreme Positionen normalisiert. Die Art der journalistischen Einordnung macht durchaus einen Unterschied.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Forschung zeigt, dass <strong>Sichtbarkeit und wahrgenommene gesellschaftliche Akzeptanz andere Wirkungen haben k\u00f6nnen als die unmittelbare \u00dcberzeugungskraft einer Aussage<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und das sollte uns zu denken geben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein System, in dem alle Aufmerksamkeit erzeugen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An diesem Punkt brauchen wir keine Verschw\u00f6rung, um das Problem zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Politiker m\u00f6chte Aufmerksamkeit. Ein Nachrichtenportal ben\u00f6tigt Reichweite. Ein Fernsehsender m\u00f6chte sein Publikum erreichen und halten. Digitale Plattformen ber\u00fccksichtigen Nutzerinteraktionen bei der Verbreitung von Inhalten. Und wir selbst reagieren auf bestimmte emotionale Reize.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Untersuchung von mehr als 2,7 Millionen politischen Beitr\u00e4gen auf Facebook und Twitter zeigte beispielsweise, dass Beitr\u00e4ge \u00fcber die politische Gegengruppe ungef\u00e4hr doppelt so h\u00e4ufig geteilt wurden wie Beitr\u00e4ge \u00fcber die eigene Gruppe. Untersucht wurden Beitr\u00e4ge von Nachrichtenmedien und US-Kongressmitgliedern. (<a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC8256037\/\">Rathje et al., 2021<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da schlie\u00dft sich der Kreis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Politiker provoziert. Seine Anh\u00e4nger teilen die Aussage. Seine Gegner verbreiten sie ebenfalls, allerdings mit emp\u00f6rten Kommentaren. Medien greifen die Diskussion auf, und auf sozialen Netzwerken erh\u00e4lt sie durch weitere Reaktionen zus\u00e4tzliche Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andere Politiker werden um Stellungnahmen gebeten, wor\u00fcber anschlie\u00dfend erneut berichtet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und pl\u00f6tzlich hat m\u00f6glicherweise niemand ausdr\u00fccklich entschieden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eWir machen diesen Menschen jetzt gro\u00df.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem kann das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Interessen genau diesen Effekt hervorbringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kommunikationsforscherin Whitney Phillips untersuchte bereits 2018 unter dem Titel <em>The Oxygen of Amplification<\/em>, wie extremistische und manipulative Akteure journalistische Routinen f\u00fcr die Verbreitung ihrer Botschaften nutzen k\u00f6nnen. (<a href=\"https:\/\/datasociety.net\/research-library\/the-oxygen-of-amplification-better-practices-for-reporting-on-extremists-antagonists-and-manipulators\/\">Phillips, 2018<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gedanke dahinter ist ebenso einfach wie unangenehm:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Manche Provokateure ben\u00f6tigen keine Zustimmung der Medien. Die Aufmerksamkeit reicht ihnen bereits.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gilt das nur f\u00fcr rechts?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Und hier m\u00f6chte ich ausdr\u00fccklich unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beschriebenen psychologischen und medialen Mechanismen \u2013 Emp\u00f6rung, Feindbilder, Gruppendenken, negative Emotionalisierung und Aufmerksamkeit f\u00fcr politische Gegner \u2013 geh\u00f6ren keiner bestimmten politischen Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch linkspopulistische Kommunikation kann ein \u201eWir gegen die\u201c-Narrativ bedienen. Auch ein links positioniertes Medium kann \u00dcberschriften produzieren, bei denen Emp\u00f6rung \u00fcber konservative oder rechte Akteure viel Aufmerksamkeit erzeugt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und auch Menschen, die sich selbst f\u00fcr ausgesprochen aufgekl\u00e4rt halten, sind nicht immun gegen den Impuls, einen Beitrag \u00fcber \u201edie anderen\u201c anzuklicken und emp\u00f6rt weiterzuverbreiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem w\u00e4re es unseri\u00f6s, daraus abzuleiten, die gegenw\u00e4rtige politische Situation sei rechts und links einfach spiegelbildlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die konkrete Instrumentalisierung klassischer Medien durch radikal rechte Akteure und die Normalisierung extrem rechter Positionen liegen umfangreiche Untersuchungen vor. Das bedeutet weder, dass \u00e4hnliche Mechanismen im linken Spektrum ausgeschlossen w\u00e4ren, noch, dass ihre Verbreitung oder ihre politischen Folgen auf beiden Seiten gleich gro\u00df sein m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die allgemeine Funktionsweise eines Mechanismus ist nicht dasselbe wie der Nachweis seiner gleichen politischen Bedeutung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mir geht es ohnehin nicht darum, ein politisches Lager gegen das andere auszuspielen. Mir geht es um die Verantwortung der Medien \u2013 unabh\u00e4ngig davon, welche Partei oder politische Richtung gerade von ihrer Berichterstattung profitiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eAber dar\u00fcber muss man doch berichten!\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, nat\u00fcrlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Alternative kann nicht darin bestehen, \u00fcber extreme, populistische oder demokratiegef\u00e4hrdende Entwicklungen einfach nicht mehr zu berichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch das w\u00e4re journalistisches Versagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn eine relevante Partei radikale Forderungen erhebt, m\u00fcssen B\u00fcrger davon erfahren. Wenn Politiker Institutionen angreifen oder gesellschaftliche Gruppen diffamieren, geh\u00f6rt das selbstverst\u00e4ndlich in die \u00f6ffentliche Debatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage lautet deshalb nicht:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Berichten oder verschweigen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sondern:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie berichten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Muss wirklich jede Provokation zur Eilmeldung werden? Muss jede Aussage in einer m\u00f6glichst dramatischen \u00dcberschrift wiederholt werden? Und muss auf jede politische Reaktion sofort die n\u00e4chste Meldung folgen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder l\u00e4sst sich das Geschehen st\u00e4rker erkl\u00e4ren, einordnen und gewichten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau hier beginnt f\u00fcr mich journalistische Verantwortung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine vergleichende Untersuchung von rund 9.000 Nachrichtenbeitr\u00e4gen aus 59 Medien in zehn europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zeigte, dass Nachrichtenmedien populistische Akteure keineswegs grunds\u00e4tzlich \u00fcberrepr\u00e4sentieren oder positiv darstellen. Die Forscher beschrieben Medien vielmehr als Gatekeeper, Kritiker und teilweise selbst als Initiatoren populistischer Kommunikation. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1940161218785979\">Wettstein et al., 2018<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Studie von Franzisca Schmidt ergab ebenfalls keinen allgemeinen Automatismus, wonach populistische Kommunikation zwangsl\u00e4ufig zu \u00fcberproportionaler Medienpr\u00e4senz f\u00fchrt. (<a href=\"https:\/\/ijoc.org\/index.php\/ijoc\/article\/view\/11882\">Schmidt, 2020<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist wichtig. Denn die einfache Geschichte \u201eMedien f\u00f6rdern Populisten\u201c w\u00e4re viel zu bequem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Medien k\u00f6nnen populistische Botschaften verbreiten, sie k\u00f6nnen sie aber auch kritisch einordnen, filtern und ihre Wirkung begrenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Guter Journalismus kann genau das leisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umso wichtiger ist es, dass redaktionelle Entscheidungen nicht allein davon abh\u00e4ngen, wie viel Aufmerksamkeit sich mit einer Geschichte erzielen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Reichweite darf nicht mit Relevanz verwechselt werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was macht das alles mit uns?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht liegt der gr\u00f6\u00dfte gesellschaftliche Schaden am Ende gar nicht darin, dass einzelne Menschen durch einen bestimmten Artikel ihre politische Meinung \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist die Wirkung viel schleichender.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer tagt\u00e4glich liest und h\u00f6rt, dass \u00fcberall gestritten, provoziert, beleidigt und emp\u00f6rt wird, bekommt m\u00f6glicherweise irgendwann den Eindruck, genau daraus bestehe Politik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lautesten werden sichtbar, die Radikalsten werden diskutiert und die Emp\u00f6rtesten kommentieren. Wer dagegen eigentlich nur vern\u00fcnftig informiert werden m\u00f6chte, hat m\u00f6glicherweise irgendwann schlicht keine Lust mehr auf diese permanente Auseinandersetzung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der <em>Digital News Report 2026<\/em> des Reuters Institute zeigt zumindest einen bemerkenswerten Trend: 42 Prozent der Befragten in den untersuchten M\u00e4rkten gaben an, Nachrichten zumindest gelegentlich aktiv zu vermeiden. Im Jahr 2017 waren es noch 29 Prozent. (<a href=\"https:\/\/reutersinstitute.politics.ox.ac.uk\/digital-news-report\/2026\/dnr-executive-summary\">Reuters Institute, 2026<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich hat Nachrichtenvermeidung viele m\u00f6gliche Ursachen. Daraus l\u00e4sst sich nicht ableiten, dass polarisierende Berichterstattung allein verantwortlich w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Zahlen zeigen, dass ein erheblicher Teil des Publikums zumindest zeitweise Abstand vom Nachrichtengeschehen sucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wenn besonders emotionale Reaktionen gro\u00dfe Sichtbarkeit erzeugen, w\u00e4hrend andere Menschen sich zunehmend aus der Diskussion zur\u00fcckziehen, kann die \u00f6ffentliche Debatte noch konfliktgeladener erscheinen, als die Gesellschaft tats\u00e4chlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00e4re eine ziemlich bittere Entwicklung, wenn ausgerechnet diejenigen, die am lautesten provozieren, dauerhaft die gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit erhalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vielleicht schauen wir einfach zu kurzfristig<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube nicht, dass morgens in den Redaktionen gro\u00dfer Medienh\u00e4user jemand sitzt und sagt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eHeute helfen wir einer populistischen Partei dabei, gr\u00f6\u00dfer zu werden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das w\u00e4re eine gewagte Behauptung, f\u00fcr die ich keinen Beleg habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube etwas anderes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, dass bei manchen Medien sehr genau dar\u00fcber nachgedacht wird, welche \u00dcberschrift heute funktioniert, welcher Artikel heute Reichweite bringt und welches Thema heute m\u00f6glichst viele Menschen auf die Website oder vor den Bildschirm zieht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ich bezweifle, dass dabei immer ebenso intensiv dar\u00fcber nachgedacht wird, was tausende solcher Einzelentscheidungen \u00fcber viele Jahre mit unserer politischen \u00d6ffentlichkeit machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn kurzfristig kann eine rei\u00dferische Meldung vollkommen erfolgreich sein. Sie wird angeklickt, geteilt, kommentiert und diskutiert. Vielleicht bringt sie zus\u00e4tzliche Werbeeinnahmen oder Abonnements.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber langfristig kann dieselbe Logik genau jene Akteure belohnen, die besonders gut darin sind, Aufmerksamkeit durch Provokation zu erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn dann noch eine dauerhaft negative Darstellung ihrer politischen Konkurrenten hinzukommt, k\u00f6nnen sich beide Mechanismen unter bestimmten Umst\u00e4nden gegenseitig verst\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht zwangsl\u00e4ufig. Nicht bei jedem Thema und nicht bei jedem Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber diese M\u00f6glichkeit sollten wir ernst nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, ob eine Nachricht heute erfolgreich ist, sondern auch, welche Folgen ihre Darstellung langfristig haben kann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Auch wir Leser und Zuschauer geh\u00f6ren zum System<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00e4re allerdings ziemlich bequem, jetzt nur mit dem Finger auf Redaktionen zu zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn auch wir spielen dieses Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir klicken auf absurde \u00dcberschriften, schauen uns emp\u00f6rende Ausschnitte aus Talkshows an und teilen Artikel mit dem Kommentar:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eUnfassbar, was der schon wieder gesagt hat!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir diskutieren, kommentieren und streiten. Und damit tragen auch wir dazu bei, dass bestimmte Inhalte immer mehr Aufmerksamkeit erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht sollten wir deshalb auch unser eigenes Verhalten gelegentlich hinterfragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Muss ich wirklich jede Provokation weiterverbreiten, nur um deutlich zu machen, wie sehr ich sie ablehne? Mache ich damit nicht manchmal genau das, was der Provokateur wollte? Und muss ich einen Artikel anklicken, dessen \u00dcberschrift mir bereits verr\u00e4t, dass ich mich anschlie\u00dfend haupts\u00e4chlich aufregen werde?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit meine ich selbstverst\u00e4ndlich nicht, dass wir politische Missst\u00e4nde ignorieren oder auf kritische Diskussionen verzichten sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber vielleicht sollten wir bewusster entscheiden, welchen Inhalten wir unsere Aufmerksamkeit schenken und welche wir durch unsere Reaktionen noch weiterverbreiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Journalistische Verantwortung entbindet das Publikum nicht von Medienkompetenz. Aber Medienkompetenz entbindet Redaktionen ebenso wenig von journalistischer Verantwortung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Information oder Aufmerksamkeit?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr mich bleibt deshalb eine grundlegende Frage:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was passiert mit einer Demokratie, wenn Medien nicht mehr haupts\u00e4chlich danach ausw\u00e4hlen, was gesellschaftlich relevant ist \u2013 sondern gesellschaftliche Relevanz zunehmend dadurch entsteht, was Aufmerksamkeit erzeugt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darauf habe ich keine einfache Antwort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ich m\u00f6chte ausdr\u00fccklich nicht behaupten, alle Medien funktionierten so, jede negative Schlagzeile sei problematisch oder s\u00e4mtliche Journalisten w\u00fcrden nur noch nach Klickzahlen arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das w\u00e4re nicht nur unfair, sondern w\u00fcrde genau jener pauschalisierenden Betrachtungsweise entsprechen, die ich hier kritisiere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wir k\u00f6nnen auch nicht ignorieren, was wissenschaftlich inzwischen untersucht wurde: Negative Sprache kann Klicks erzeugen. Konflikte mit politischen Gegengruppen k\u00f6nnen besonders viel Engagement hervorrufen. Nutzungsdaten k\u00f6nnen die redaktionelle Nachrichtenauswahl beeinflussen. Nachrichtenwellen k\u00f6nnen sich selbst verst\u00e4rken. Gezielte Provokationen k\u00f6nnen selbst bei ablehnender Berichterstattung zus\u00e4tzliche Aufmerksamkeit schaffen. Und die wiederholte mediale Pr\u00e4senz extremer Positionen kann beeinflussen, f\u00fcr wie verbreitet Menschen diese halten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Keine dieser Studien beweist, dass jeder Effekt zwangsl\u00e4ufig eintritt oder alle Medien nach denselben Mustern handeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber gemeinsam liefern sie gen\u00fcgend Gr\u00fcnde, unsere Nachrichtenkultur kritisch zu hinterfragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist genau das die unbequeme Erkenntnis:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Populisten m\u00fcssen Medien gar nicht auf ihre Seite ziehen. Sie m\u00fcssen nur lernen, wie Medien funktionieren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Medien wiederum m\u00fcssen sich die Frage gefallen lassen, ob der kurzfristige Kampf um Klicks, Einschaltquoten und Reichweite manchmal einen gesellschaftlichen Preis besitzt, dessen Folgen wir erst viel sp\u00e4ter erkennen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Appell an die Medienschaffenden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Medienschaffende, die Ihr Euch dem Journalismus verschrieben habt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Seid Journalisten! Bleibt bei den Fakten!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Berichtet kritisch, hinterfragt Aussagen, deckt Missst\u00e4nde auf und konfrontiert diejenigen mit der Wahrheit, die sie lieber verschweigen w\u00fcrden. Genau das brauchen wir. Gerade heute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber hinterfragt bitte auch Eure eigene Berichterstattung. Fragt Euch nicht nur, ob eine Schlagzeile m\u00f6glichst viele Menschen erreicht, sondern auch, was sie bei diesen Menschen ausl\u00f6st. Ob Ihr mit Eurer Berichterstattung aufkl\u00e4rt oder einer Provokation erst die B\u00fchne verschafft, die sie ben\u00f6tigt, um gro\u00df zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jede Emp\u00f6rung verdient eine Schlagzeile. Nicht jede Provokation eine Sondersendung. Und nicht alles, was Aufmerksamkeit erzeugt, besitzt deshalb auch gesellschaftliche Relevanz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Und denkt verdammt noch mal an die Folgen, die die Art Eurer Berichterstattung haben kann!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn Eure Verantwortung endet nicht mit der Ver\u00f6ffentlichung eines Artikels oder dem Ende einer Nachrichtensendung. Eure Arbeit pr\u00e4gt, wor\u00fcber wir sprechen, welche Themen wir f\u00fcr wichtig halten und welches Bild wir uns von unserer Gesellschaft machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich erwarte keine Berichterstattung ohne Haltung. Ich erwarte Journalismus, der zwischen Fakten, Einordnung und Meinung unterscheidet und sich seiner Verantwortung bewusst ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Denn guter Journalismus soll uns helfen, die Welt besser zu verstehen \u2013 und nicht diejenigen gr\u00f6\u00dfer machen, die am lautesten schreien.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen und weiterf\u00fchrende Literatur<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die nachfolgenden wissenschaftlichen Studien und Forschungsberichte bilden die Grundlage f\u00fcr die beschriebenen Zusammenh\u00e4nge. Dabei ist zwischen experimentell nachgewiesenen Effekten, statistischen Zusammenh\u00e4ngen, theoretischen Modellen und pers\u00f6nlichen Einsch\u00e4tzungen zu unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Medien\u00f6konomie und Nachrichtenwellen<\/h3>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Robertson, Claire E. et al. (2023):<\/strong> \u201eNegativity drives online news consumption.\u201c <em>Nature Human Behaviour<\/em>, 7, 812\u2013822. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41562-023-01538-4\">Originalstudie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Welbers, Kasper et al. (2016):<\/strong> \u201eNews selection criteria in the digital age: Professional norms versus online audience metrics.\u201c <em>Journalism<\/em>, 17(8), 1037\u20131053. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1464884915595474\">Originalstudie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Sen, Ananya &amp; Yildirim, Pinar (2015):<\/strong> \u201eClicks Bias in Editorial Decisions: How Does Popularity Shape Online News Coverage?\u201c Forschungsarbeit. <a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2619440\">SSRN<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Vasterman, Peter L. M. (2005):<\/strong> \u201eMedia-Hype: Self-Reinforcing News Waves, Journalistic Standards and the Construction of Social Problems.\u201c <em>European Journal of Communication<\/em>, 20(4), 508\u2013530. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/0267323105058254\">Originalstudie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Waldherr, Annie (2014):<\/strong> \u201eEmergence of News Waves: A Social Simulation Approach.\u201c <em>Journal of Communication<\/em>, 64(5), 852\u2013873. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/jcom.12117\">Originalstudie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Meiseberg, Brinja; Lengers, Jochen; Ehrmann, Thomas (2016):<\/strong> \u201eThe Economics of Sensationalism: The Lack of Effect of Scandal-Reporting on Business Outcomes.\u201c <em>Journal of Media Economics<\/em>, 29(1), 4\u201315. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/08997764.2015.1131700\">Originalstudie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Newman, Nic (2024):<\/strong> \u201eJournalism, Media, and Technology Trends and Predictions 2024.\u201c Reuters Institute for the Study of Journalism. <a href=\"https:\/\/reutersinstitute.politics.ox.ac.uk\/journalism-media-and-technology-trends-and-predictions-2024\">Forschungsbericht<\/a><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Politische Kommunikation und Normalisierung<\/h3>\n\n\n\n<ol start=\"8\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Maurer, Marcus et al. (2023):<\/strong> \u201eHow Right-Wing Populists Instrumentalize News Media: Deliberate Provocations, Scandalizing Media Coverage, and Public Awareness for the Alternative for Germany (AfD).\u201c <em>The International Journal of Press\/Politics<\/em>, 28(4). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/19401612211072692\">Originalstudie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>McCombs, Maxwell E. &amp; Shaw, Donald L. (1972):<\/strong> \u201eThe Agenda-Setting Function of Mass Media.\u201c <em>Public Opinion Quarterly<\/em>, 36(2), 176\u2013187. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1086\/267990\">Originalstudie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Entman, Robert M. (1993):<\/strong> \u201eFraming: Toward Clarification of a Fractured Paradigm.\u201c <em>Journal of Communication<\/em>, 43(4), 51\u201358. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/j.1460-2466.1993.tb01304.x\">Originalstudie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Bolet, Diane &amp; Foos, Florian (2025):<\/strong> \u201eMedia Platforming and the Normalisation of Extreme Right Views.\u201c <em>British Journal of Political Science<\/em>. <a href=\"https:\/\/www.cambridge.org\/core\/journals\/british-journal-of-political-science\/article\/media-platforming-and-the-normalisation-of-extreme-right-views\/747E769DA6CE4365E0151B55FDF4DEFA\">Open-Access-Studie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Rathje, Steve; Van Bavel, Jay J.; van der Linden, Sander (2021):<\/strong> \u201eOut-group animosity drives engagement on social media.\u201c <em>Proceedings of the National Academy of Sciences<\/em>, 118(26). <a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC8256037\/\">Open-Access-Studie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Phillips, Whitney (2018):<\/strong> \u201eThe Oxygen of Amplification: Better Practices for Reporting on Extremists, Antagonists, and Manipulators.\u201c Data &amp; Society Research Institute. <a href=\"https:\/\/datasociety.net\/research-library\/the-oxygen-of-amplification-better-practices-for-reporting-on-extremists-antagonists-and-manipulators\/\">Forschungsbericht<\/a><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Negative Berichterstattung und \u00f6ffentliche Meinung<\/h3>\n\n\n\n<ol start=\"14\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Van Remoortere, Annelien &amp; Vliegenthart, Rens (2024):<\/strong> \u201eThe influence of mass media on the popularity of politicians.\u201c <em>Party Politics<\/em>. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/13540688231187964\">Originalstudie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Thesen, Gunnar et al. (2024):<\/strong> \u201eFrom bonus to burden: The cost of ruling from a new(s) perspective.\u201c <em>European Journal of Political Research<\/em>. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/1475-6765.12670\">Originalstudie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Cappella, Joseph N. &amp; Jamieson, Kathleen Hall (1996):<\/strong> \u201eNews Frames, Political Cynicism, and Media Cynicism.\u201c <em>The Annals of the American Academy of Political and Social Science<\/em>, 546, 71\u201384. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/0002716296546001007\">Originalstudie<\/a><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gegenbefunde und Nachrichtenkonsum<\/h3>\n\n\n\n<ol start=\"17\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Wettstein, Martin et al. (2018):<\/strong> \u201eNews Media as Gatekeepers, Critics, and Initiators of Populist Communication.\u201c <em>The International Journal of Press\/Politics<\/em>, 23(4), 476\u2013495. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1940161218785979\">Originalstudie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Schmidt, Franzisca (2020):<\/strong> \u201eParty Populism and Media Access: The News Value of Populist Communication and How It Is Handled by the Mass Media.\u201c <em>International Journal of Communication<\/em>, 14, 2360\u20132382. <a href=\"https:\/\/ijoc.org\/index.php\/ijoc\/article\/view\/11882\">Open-Access-Studie<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Reuters Institute for the Study of Journalism (2026):<\/strong> \u201eDigital News Report 2026.\u201c <a href=\"https:\/\/reutersinstitute.politics.ox.ac.uk\/digital-news-report\/2026\">Forschungsbericht<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6nnen Medien Populisten st\u00e4rken, obwohl sie sie kritisieren? Studien zeigen, wie Klickdruck, negative Schlagzeilen und selbstverst\u00e4rkende Nachrichtenwellen unsere politische Wahrnehmung pr\u00e4gen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":366,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_seo_schema_type":"","_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":false,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[6,32,14,24,76],"tags":[92,268,5,265,117,267,135,260,263,264,269,34,248,262,99,261,47,266],"class_list":["post-365","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog","category-meinung","category-psychologisches","category-umwelt","category-wissen","tag-92","tag-agenda-setting","tag-blog","tag-clickbait","tag-demokratie","tag-framing","tag-gesellschaft","tag-journalismus","tag-medienhype","tag-medienkritik","tag-medienoekonomie","tag-meinung","tag-meinungsbildung","tag-nachrichten","tag-politik","tag-populismus","tag-psychologie","tag-reichweite"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack-related-posts":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/einfachbernie.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-10-21-Wie-Medien-Populisten-stark-machen_Blog_Beitragsbild.png?fit=1672%2C941&ssl=1","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/einfachbernie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/365","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/einfachbernie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/einfachbernie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/einfachbernie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/einfachbernie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=365"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/einfachbernie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/365\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":372,"href":"https:\/\/einfachbernie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/365\/revisions\/372"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/einfachbernie.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/366"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/einfachbernie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=365"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/einfachbernie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=365"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/einfachbernie.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=365"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}