{"id":236,"date":"2026-04-02T03:00:00","date_gmt":"2026-04-02T03:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/einfachbernie.de\/?p=236"},"modified":"2026-04-02T18:18:06","modified_gmt":"2026-04-02T18:18:06","slug":"project-hail-mary-im-kino-vor-diesem-film-hatte-ich-wirklich-angst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/einfachbernie.de\/?p=236","title":{"rendered":"Project Hail Mary im Kino: Vor diesem Film hatte ich wirklich Angst"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Filme, auf die freut man sich. Und dann gibt es Filme, vor denen man fast schon Angst hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDer Astronaut: Project Hail Mary\u201c geh\u00f6rte f\u00fcr mich ganz klar zur zweiten Kategorie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, wirklich. Angst. Bammel. Schiss. Nicht, weil ich dachte, der Film w\u00fcrde schlecht werden. Sondern weil meine Erwartungen so verdammt hoch waren, dass ein gutes Ergebnis eigentlich kaum noch gereicht h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch fangen wir vorne an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor einigen Jahren habe ich im Heimkino \u201eDer Marsianer\u201c gesehen. Der Film gefiel mir so gut, dass ich mir danach direkt den Roman geholt habe. Und ich habe ihn verschlungen. Andy Weir hat diese besondere Art, Science Fiction nicht einfach nur gro\u00df und spektakul\u00e4r wirken zu lassen, sondern logisch, technisch greifbar und dabei trotzdem herrlich witzig. Mit trockenem Humor, Ironie und genau der richtigen Portion Sarkasmus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Roman hat den Film f\u00fcr mich damals sogar noch \u00fcbertroffen. Mehr Tiefe, mehr Zwischent\u00f6ne, mehr Momente zum Lachen. Aber eben auch mehr Stellen, die unter die Haut gehen. Danach habe ich mir das H\u00f6rbuch mehrfach gegeben, grandios gesprochen von Richard Barenberg, und es jedes Mal wieder gefeiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kam \u201eArtemis\u201c. Nicht ganz so stark wie \u201eDer Marsianer\u201c, auch nicht ganz so lustig, aber trotzdem ein richtig gutes Buch. Eines, das ich ebenfalls mehr als einmal gelesen und geh\u00f6rt habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und dann kam \u201eProject Hail Mary\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr mich ist das bis heute Andy Weirs bester Roman. Punkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Buch hat mich damals regelrecht \u00fcberfahren. Es war klug, spannend, emotional, technisch verspielt und gleichzeitig so menschlich, dass es mich an mehreren Stellen komplett abgeholt hat. Als ich dann erfuhr, dass genau dieser Roman verfilmt werden soll, war ich gleichzeitig begeistert und nerv\u00f6s. Denn ganz ehrlich: Diese Geschichte so auf die Leinwand zu bringen, dass sie nicht ihre Seele verliert, ist alles andere als trivial.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gestern Abend sind meine Gattin und ich dann hier in Gelsenkirchen ins Kino gegangen und haben ihn uns endlich angesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und was soll ich sagen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hatte anfangs tats\u00e4chlich ein Problem mit dem Einstieg. Der Film beginnt f\u00fcr mein Gef\u00fchl etwas zu hastig. Gerade die Einf\u00fchrung des Protagonisten wirkte auf mich zun\u00e4chst zu schnell, fast so, als wolle der Film m\u00f6glichst rasch durch die ersten T\u00fcren, um endlich ins eigentliche Herzst\u00fcck zu kommen. In dem Moment hat mich das kurz irritiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00fcckblickend verstehe ich diese Entscheidung aber. Der Film l\u00e4uft immerhin 156 Minuten und kam in Deutschland am 19. M\u00e4rz 2026 ins Kino. Irgendwo muss man bei einer Romanverfilmung dieses Kalibers eben verdichten, sonst sitzt Du am Ende bei einer Regiefassung, f\u00fcr die Du besser ein Wochenende Urlaub einreichst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber nach diesem Einstieg hat mich der Film bekommen. Und zwar richtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne zu spoilern: Diese Verfilmung ist erstaunlich nah an der Vorlage, ohne sich sklavisch an ihr festzuklammern. Sie trifft vor allem das, worauf es wirklich ankommt. Den Ton. Die Dynamik. Die Mischung aus Wissenschaft, \u00dcberforderung, Improvisation, Verzweiflung und Hoffnung. Und vor allem trifft sie die emotionale Wucht der Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade das Zusammenspiel mit dem wichtigsten Gegenpart des Protagonisten ist f\u00fcr mich das Herz dieses Films. Genau dort entscheidet sich, ob \u201eProject Hail Mary\u201c nur gutes Science Fiction Kino ist oder etwas, das h\u00e4ngen bleibt. Und hier liefert der Film. Nicht irgendwie. Sondern richtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mich besonders gefreut hat: Der Film versucht nicht, aus der Vorlage irgendein glattgeb\u00fcgeltes Standard Spektakel zu machen. Er bleibt eigen. Er bleibt emotional. Und er traut sich, seine gro\u00dfen Momente nicht nur \u00fcber Bilder, sondern auch \u00fcber Beziehung, Timing und Gef\u00fchl zu transportieren.<br><br>Dar\u00fcber hinaus finde ich, das Ryan Gosling seine bisher beste schauspielerische Leistung hatte. (Zugegeben, ich habe nicht alle seine Filme bisher gesehen.) und auch die Animation des Konterparts (&#8222;Rocky&#8220;) ist verdammt gut und rei\u00dft einen mit. Ich finde lediglich, dass Sandra H\u00fcller etwaszu &#8222;steif&#8220; in ihrer Rolle wirkt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, man merkt an manchen Stellen, dass ein Roman mehr Raum hat. Das ist unvermeidlich. B\u00fccher d\u00fcrfen atmen. Filme m\u00fcssen funktionieren. Das ist ein Unterschied, den man nicht wegdiskutieren kann. Aber \u201eDer Astronaut: Project Hail Mary\u201c schafft etwas, woran viele andere Adaptionen scheitern: Er wirkt nicht wie eine zusammengestutzte Nacherz\u00e4hlung. Er wirkt wie eine echte, ehrliche \u00dcbersetzung in ein anderes Medium.<br>Und genau davor hatte ich Angst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass aus einem meiner absoluten Lieblingsromane ein optisch h\u00fcbscher, aber innerlich leerer Film wird. Ein Film, der die Handlung nacherz\u00e4hlt, aber das Gef\u00fchl nicht versteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Angst war am Ende unbegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDer Astronaut: Project Hail Mary\u201c ist f\u00fcr mich kein perfekter Film. Der Einstieg ist mir etwas zu eilig geraten. Aber das, was danach kommt, ist gro\u00dfes Science Fiction Kino mit Herz, Verstand und erstaunlich viel Seele. Von dem Bildspektakel, dass einen dort im All \u00fcbermannt, will ich weiter tr\u00e4umen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ganz ehrlich: Mehr kann man sich von so einer Verfilmung kaum w\u00fcnschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mein Fazit:<\/strong><br>Wenn Du den Roman liebst, geh rein.<br>Wenn Du gute Science Fiction liebst, geh rein.<br>Wenn Du einfach einen Film sehen willst, der spannend, klug, emotional und stellenweise verdammt sch\u00f6n ist, dann geh erst recht rein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hatte Bammel vor diesem Film.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ich bin verdammt froh, dass er mich eines Besseren belehrt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Filme, auf die freut man sich. Und dann gibt es Filme, vor denen man fast schon Angst hat. Project Hail Mary geh\u00f6rte f\u00fcr mich ganz klar zur zweiten Kategorie. 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